SONNTAGS um zehn : Pater, pitschnass

Der Gottesdienst in Westend fiel ins Wasser, da wurden schnell die Türen der Kirche geöffnet.

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An den Ständen gab es Rostbratwurst und Maibowle, Kunsthandwerk und Lotterielose. Doch die Schausteller, Handwerker und Imbissbetreiber, die gestern beim „Frühling in der Preußenallee“, einem bunten Straßenfest in Westend zwischen S-Bahnhof Heerstraße und U-Bahnhof Neu-Westend auf Kunden warteten, hatten einen nassen Morgen. Es regnete in Strömen. Und auf den Bierzeltgarnituren vor der Hauptbühne bildeten sich große Pfützen.

Eigentlich hätten dort am Sonntagmorgen mehrere hundert Christen aus den Kirchengemeinden der Umgebung sitzen sollen. Denn auf Anregung des Veranstalters des Straßenfests sollte zu Beginn des Bühnenprogramms ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden. Doch der Regen machte auch den örtlichen Kirchengemeinden einen Strich durch die Rechnung – statt auf dem Straßenfest traf man sich in der katholischen Heilig-Geist-Kirche, die Pater Rüdiger Brunner kurzfristig für die Gemeinde öffnete.

Drinnen spielten eine Band und ein Posaunenchor, es gab moderne Kirchentagslieder und alte Choräle. Und statt einer Predigt trat Sigrid Thünnich mit einer Handpuppe vor den Altar. „Fragen sind ja erlaubt“, sagte die Puppe und fragte die anwesenden Geistlichen, warum Gott denn Vater genannt werde, welche Rolle Jesus spiele und welche Bedeutung der Heilige Geist habe. Ein Programm, dass in einer Kirche vielleicht etwas deplatziert wirkte, auf der Bühne des Straßenfests und angesichts vieler Familien mit Kindern aber genau richtig gewesen wäre. „Gott will uns zu freien Menschen machen, er sorgt sich um uns“, antwortete der landeskirchliche evangelische Pfarrer Matthias Wolfes. „Und deswegen dürfen wir ihn Vater nennen.“ Dann war es am katholischen Pater Rüdiger Brunner, der Handpuppe zu antworten. Für ihn sei Jesus der sympathischste Teil der Dreifaltigkeit. „Ich kann ihn mir vorstellen“, sagte Brunner. Daher habe er eine Ikone in seinem Zimmer, der er in die Augen schauen könne – „dadurch ist es für mich ganz einfach, mit Jesus zu reden“.

Und der baptistische Pastor Hendrik Kissel verglich den Heiligen Geist mit Facebook oder einem Handy, das die Menschen miteinander und mit Gott verbinde – und fasste dann zusammen: „Vater, Jesus und Heiliger Geist sind drei verschiedene Formen Gottes“, sagte Kissel. Das sei so wie mit dem Wasser – das gebe es ja auch als Eis, als Dampf oder als Flüssigkeit. Oder eben als Regen, so wie gestern über Westend. Benjamin Lassiwe

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