SONNTAGS um zehn : Raschelndes Stroh und blauer Himmel

Blöken, hopsen, predigen: Feldgottesdienst beim Buckower Strohballenfest

G,a Bartels

Die Bierlachen und Mojitopfützen von Samstagabend sind auf Bauer Mettes Acker versickert. Da sei die Polizei mit mehreren Mannschaftswagen vorgefahren, um die Zecher beim Strohballenfest zu bändigen, erzählen sich zwei Damen. Jetzt sind die Bars noch zu und auf der Bühne stehen junge Musiker in sittsamem Schwarz neben dem Altar und proben soften Kirchenpop. Davor liegt loses Stroh, dass unter den Füßen raschelt, und frisch gepresste Ballen zum Draufsitzen. Die Damen sind Profis, sie haben Klappkissen gegen die pikenden Halme dabei.

Schon zum zwölften Mal feiern die evangelischen Gemeinden Alt-Buckow, Neu-Buckow und die Katholiken von der Sankt-Theresia-Kirche auf freiem Feld. Einige hundert Leute kann Pfarrer Helmut Michel am Buckower Damm begrüßen. Und dazu Karnickel, Ponys, Ziegen und Schafe, die Kinder am Strick führen. So ein rustikaler Feldgottesdienst mit Meckern, Wiehern, Blöken, rumhopsenden Kindern, Sonne, Singen und Wohlfühlpredigt löst jede Menge Assoziationen aus. Ein Hauch Paradies und Landkommune hängt über Buckow. Und Täufling Sara sieht in Taufkleid und weißer Spitzenhaube fast wie ein Amish-Mädchen in Nordamerika aus. Da sprechen aber die knatternden Trecker dagegen.

„Wir haben schon viele Neue in der Gemeinde durch den Feldgottesdienst bekommen“, sagt Pfarrer Michel. Der Mann Gottes hat Showtalent und steht mit dem Mikro in der Hand an der Rampe. Er predigt über das Gleichnis vom vorbildlich lebenden, aber selbstgerechten Pharisäer und dem korrupten, aber demütigen Zöllner. Ersterer dankt Gott, dass er besser sei als andere, letzterer bittet um Vergebung seiner Sünden und schneidet so vor Gott erheblich besser ab. Das Wort „Sünde“ käme übrigens aus dem Germanischen, sagt der Pfarrer, und bedeute „ein Ziel verfehlen“. Und das geschähe jedem Menschen. „Nur Gott sieht uns, wie wir wirklich sind.“ Zum Glück könne man Fehler erkennen und umkehren. Und bevor zum Schlusssegen ein Schwarm Tauben aufsteigt, sagt Pfarrer Michel: „Wir wollen ernst sein, wir wollen Spaß haben, wir wollen leben!“ Gunda Bartels

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