SONNTAGS um zehn : Samariter unterwegs

Zionskirche verabschiedet junge Friedensdienstler

Eva Kalwa

„Was muss ich tun, damit mein Leben gelingt?“ fragt sich wohl jeder Mensch einmal, egal, ob und an was er glaubt. Am Sonntagmorgen beschäftigte sich auch die evangelische Gemeinde der Zionskirche mit der Frage nach dem rechten Weg im Leben. Angeregt durch die Predigt von Vikarin Lioba Diez über das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter aus dem 10. Kapitel des Lukas-Evangeliums. „Ich glaube, dass die gelungene Balance zwischen Selbst- und Nächstenliebe zu einem erfüllten Leben unbedingt dazugehört“, so Diez. Ein Gleichgewicht, das immer wieder von Neuem hinterfragt und hergestellt werden müsse.

Nach der Predigt stellt die Vikarin vier junge Menschen vor, die ihre persönliche Antwort auf diese Fragen gefunden haben: Christian Heller aus Pankow, Esther Bauer aus Dachau, Friederike Arlick aus Oldenburg und Julian Albert aus dem westfälischen Menden werden ein Jahr lang freiwilligen Dienst im Rahmen der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienst“ tun. Die „ASF“ ist ein Verein, der es sich nach den Erfahrungen von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg zum Ziel gesetzt hat, zu Frieden und Verständigung zwischen Staaten beizutragen. Die Schwerpunkte des von der evangelischen Kirche gegründeten Friedensdienstes liegen seit mehr als 50 Jahren und mittlerweile in 13 Ländern in der Erinnerungs- und Antirassismusarbeit und in Projekten zur Integration sozial benachteiligter Gruppen.

Die 19- und 20-Jährigen, die an diesem Sonntag in der Zionskirche feierlich verabschiedet werden, sind vier von 170 Freiwilligen aus ganz Deutschland, die für längere Zeit ins Ausland gehen. Jeder konnte sich dafür einen Ort und eine Aufgabe auswählen, die seinen Neigungen entspricht: Heller geht nach Haifa, wo er in der offenen Altenpflege Opfer und Angehörige von Opfern des Holocaust im täglichen Leben begleiten will. Bauer wird in Norwegen mit gehörlosen Kindern und Jugendlichen arbeiten, Arlick in Antwerpen Flüchtlingshilfe für traumatisierte Frauen leisten. Und Albert will in St. Petersburg weiblichen Überlebenden der Gulag-Lager helfen und Integrationsprojekte für Sinti- und Roma-Kinder unterstützen. Er hat gerade sein Abitur mit dem Spitzendurchschnitt von 1,0 gemacht und beschreibt seine Motivation für die Teilnahme am Programm kurz so: „Im Gegensatz zum Kriegsdienst klingt Friedensdienst für mich nach einer sehr guten Alternative.“ Eva Kalwa

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