SONNTAGS um zehn : Schon ein bisschen Weihnachten

In Lankwitz gab es das Krippenspiel bereits zum vierten Advent.

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Der Weihnachtsbaum stand schon vor dem Altar in der eingeschneiten alten Dorfkirche von Lankwitz. Doch gestern waren seine elektrischen Kerzen ausgeschaltet – wie überhaupt zu Beginn des Gottesdienstes um 11 Uhr keine Kerze in der Kirche brannte. Doch das hatte seinen Grund: Während die Kirchgänger das alte Adventslied „Wir sagen Euch an, den lieben Advent“ sangen, zündete die dort ehrenamtlich tätige Pfarrerin Franziska Bihlmayer-Wagner die Kerzen des Adventsgestecks auf dem Altar an.

Doch adventlich war der Gottesdienst nur zu Beginn. „Freut Euch, der Herr ist nahe“, begrüßte die Theologin die Gemeinde. „Der Herr ist nahe, er ist schon beinahe vor der Tür.“ Was das heißt, zeigten dann die Kinder des Lankwitzer Kindergottesdienstes. Eifrig gefilmt und fotografiert von Eltern und Großeltern, Onkeln und Tanten führten sie gestern schon einmal ihr Krippenspiel auf. Drei Lankwitzer Mädchen finden vor dem Altar der Dorfkirche eine alte, leere Krippe – „Die sieht aber ziemlich oll aus!“ – und lassen sich von ihr in die Weihnachtsgeschichte hineinnehmen. Plötzlich stehen die Kinder auf dem Weg nach Nazareth, „so heißt das Kaff hier“. Sie treffen Maria und Josef, die, wie es das Lukas-Evangelium berichtet, auf dem Weg zur Volkszählung sind. Es folgt die bekannte Handlung, inklusive eines fleißig singenden Engelschores, den Fremden gegenüber eher zurückhaltenden Hirten und der Geburt von Jesus im Stall von Bethlehem, in der alten Krippe aus der Dorfkirche.

Es war eine gemütliche Weihnachtsstimmung. Und eine Predigt, die zumindest versuchte, die Kirchgänger ein bisschen dort herauszuholen. Denn Weihnachten erlebe man Jahr für Jahr nur den Anfang der Geschichte, betonte Pfarrerin Bihlmayer-Wagner. „Am Anfang war nur die Hoffnung einiger Menschen, dass das Kind zum Friedenskönig wird.“ Erst 30 Jahre später habe Jesus die Menschen provoziert, so sehr, dass er verfolgt und hingerichtet wurde. Es könne sein, dass das Kind in der Krippe ausreiche, sagte die Pfarrerin vieldeutig. „Andernfalls müssten wir ja die Grenzen unserer kleinen, heilen Welt überwinden und für Frieden und Gerechtigkeit eintreten, auch hier, in unserer Stadt.“ Gott habe sich in Jesus Christus auf die einzige Weise gezeigt, die Menschen begreifen können: Als Mensch. „Nun liegt es an uns, ihm zu begegnen.“ Benjamin Lassiwe

Das Krippenspiel in der Dorfkirche Lankwitz gibt es am Heiligen Abend erneut um 14.30 Uhr zu sehen. Weitere Gottesdienste finden dort um 16, 18 und 23 Uhr statt. Eine Übersicht über ausgewählte Gottesdienste finden Sie auf Seite 12.

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