SONNTAGS um zehn : Soli deo gloria

Mit einem Fernsehgottesdienst feierten die Reformierten Calvins 500. Geburtstag

Benjamin Lassiwe

Zum Jubiläum gab es einen Stilbruch: Ein großes Bild des französischen Reformators Johannes Calvin stand neben dem Altar der Französischen Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt. Dabei waren es gerade der Reformator aus Genf und der von ihm begründete Protestantismus reformierter Prägung, die sich stets für ein Bilderverbot in Kirchen einsetzten. Doch zum 500. Geburtstag des Reformators, der gestern mit einem Fernsehgottesdienst begangen wurde, nahm es die Gemeinde damit nicht so genau.

Eine andere Tradition des Calvinismus stand dagegen im Zentrum des eher nüchtern gefeierten Gottesdienstes: Der Psalmengesang. Begleitet von Orgel, Chor und Lautenklängen sangen die Christen Vertonungen der biblischen Texte, für deren Entstehung sich Calvin einst eingesetzt hatte. „Calvin hat die Psalmen mehr als jedes andere Buch der Bibel geliebt“, sagte der Festprediger, der rheinische Pfarrer und Direktor des Wuppertaler Predigerseminars, Peter Bukowski. „In den Psalmen wird Gottes Wort in einer Weise erlebbar, die die Menschen direkt anspricht.“ Die Psalmen hälfen, im Leben Trost und Halt zu finden. Und auch ein theologisches Leitmotiv Calvins finde sich in ihnen: „Soli deo gloria“, Gott allein die Ehre. „Calvin ging es um die Ehre Gottes, der den Menschen mit Barmherzigkeit und Huld zugetan ist“, sagt Bukowski. Im Gegensatz zu den Herrschern Frankreichs, die die jungen protestantischen Gemeinden gnadenlos verfolgten. „Gott allein die Ehre“, und nicht den Mächtigen, „für die Verfolgten und Geschundenen ist dies Theologie der Befreiung“, sagt Bukowski. „Gott allein die Ehre – das ist ein Protestschrei gegen die Gewalt derer, die sich an seiner Gemeinde vergreifen.“

Im grellen Licht der Fernsehscheinwerfer erinnerte der Prediger daran, dass Christen vielerorts auch heute noch verfolgt werden. „Wir können dankbar dafür sein, dass wir in Deutschland unseren Glauben ohne Angst leben können“, sagt Bukowski. „Gerade deshalb geht es nicht an, dass wir das Schicksal verfolgter Christen in vielen Teilen unserer Welt so wenig im Blick haben.“ Nötig sei gelebte Solidarität: „Wir haben auch in diesen krisenhaften Zeiten viel zum Teilen, an Interesse, an Mitgefühl und Geld und Gut“, sagte Bukowski. „Und wir wollen und sollen unseren leidenden Geschwistern eine verlässliche Lobby sein.“ Benjamin Lassiwe

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