SONNTAGS um zehn : Sprechstunde bei Jesus In Dahlem spricht der Pfarrer

über Ermutigung, Stärkung, Heilung

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Die Morgensonne strahlt über den Park an der Dahlemer Hittorfstraße. Zwischen den herbstlich rot gefärbten Blättern ragt der Ziegelsteinturm der Jesus-Christus-Kirche hervor. Und als die Glocken läuten, gehen die Spaziergänger ins Gotteshaus. „Wir hören Gottes Wort“, begrüßt Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik die Gottesdienstbesucher. „Es will ermutigen, stärken, trösten.“

Ermutigung, Stärkung, Heilung – das alles wollten auch die Menschen aus der Bibel, über deren Erlebnis mit Jesus Kottnik an diesem Sonntag predigt. In Kapernaum hatten sie sich versammelt, vor dem Haus des Simon Petrus. Es hatte sich herumgesprochen, dass Jesus da war. „Es war Sprechstunde bei Jesus.“ Doch das Markus-Evangelium berichtet davon, wie Jesus die Menschen enttäuschte. Statt immer mehr Menschen von Krankheiten zu heilen, ging er beten und verließ anschließend die Stadt. „Was wäre, wenn sich der Pflegedienst oder die Suchtberatung heute so verhielte?“, fragte Kottnik, der einst selbst Direktor des Diakonischen Werks der EKD war. „Das würde das Vertrauen der Menschen wohl ziemlich zerstören.“ Jesus brauchte „die Stille, das Gespräch mit Gott“, meint Kottnik. Er habe daraus neue Kraft geschöpft.

Doch warum kehrt Jesus nach dem Gebet nicht zu den Menschen in Not zurück? Jesus habe kleine Lichter der Nächstenliebe angezündet, erklärte der Pfarrer. Aber er habe gewusst, dass Schmerz und Leid in der Welt bleiben würden. „Es unterscheidet Christen von Utopisten, dass wir wissen, dass wir keine absolut heile und gerechte Welt schaffen können“, sagte Kottnik. „Aber wir arbeiten daran.“ Christen würden nicht resignieren, wenn aus den kleinen Lichtern keine große Flamme werde. Weswegen die Erzählung von Jesus und den Menschen in Kapernaum „eine ganz realistische Geschichte ist, die Mut macht, mit Begrenzungen zu leben.“ Benjamin Lassiwe

Die Gemeinde im Internet:

www.kg-dahlem.de

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