SONNTAGS um zehn : Über die Jahre

Ein nachweihnachtlicher Gottesdienst in Tempelhof

Benjamin Lassiwe

Die Dezembersonne strahlt durch die Fensterfronten des ovalen Gemeindesaals der Freien Evangelischen Gemeinde Tempelhof in der Wenckebachstraße. Und ebenso freundlich begrüßen die Gemeindeglieder jeden Fremden, der am Sonntag ihren Gottesdienst besucht. Stühle und Wandverkleidungen aus hellem Holz und der noch immer stark duftende Weihnachtsbaum verbreiten eine warme Atmosphäre in dem ganz in weiß gehaltenen Gottesdienstraum, der erst vor einigen Monaten erneuert wurde. Den einzigen Schmuck bildet ein schlichtes, großes Holzkreuz neben dem Altar.

Pastor Ralf Nitz begrüßt seine Gemeinde zu einem „Gottesdienst zwischen den Feiertagen“, zwischen den Jahren, wie man so sagt. Am Sonntag nach Weihnachten sei man mit den Gedanken oft schon im neuen Jahr. Und gleichzeitig froh, dass Weihnachten vorbei sei. „Wussten Sie, dass die meisten Ehestreitigkeiten im Jahr am Heiligen Abend stattfinden?“, fragt der Pastor. Heiligabend habe es überall fröhliche Lieder und Lichterglanz gegeben. „Aber jetzt fühlt es sich an, wie eben der 30. Dezember: Luft raus, Reifen platt.“ Für Christen, die daran glauben, dass Gott an Weihnachten in Jesus Christus zu ihnen kam, komme es jetzt darauf an, dieses Geschenk Gottes „in die täglichen Rationen einzuwechseln“.

Das Gespür zu schärfen für die kleinen Geschenke Gottes, für die Alltäglichkeit seiner Gegenwart, auch dazu dient dieser Gottesdienst mit seiner schlichten Liturgie. Es wird viel gesungen, begleitet von Gitarre und Klavier, traditionelle Lieder, aber auch schlagerhafte, neuere Texte, die von einem Videobeamer an die Wand über dem Altar geworfen wurden. Pastor Nitz macht die Treue Gottes zum Leitmotiv seiner Predigt. Auch in der Bibel, im Buch des Propheten Jesaja, würden Skeptiker zitiert, die der Meinung seien, Gott könne ihnen nicht helfen. „Ich protestiere nicht. Es kann einem so gehen, dass man sagt: Mir ist nicht zu helfen“, sagt Nitz. „Aber Gott protestiert dagegen.“ Was auch immer die Menschen täten, Gott käme zu ihnen – und bleibe. Die Treue Gottes trage. „Das darf Mut geben, auch im neuen Jahr“, sagt der Pastor. Benjamin Lassiwe

Am morgigen Neujahrstag lädt die Freie Evangelische Gemeinde Tempelhof in der Wenckebachstraße 5 um 17 Uhr zu einem Gottesdienst mit Abendmahl ein.

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