• SONNTAGS um zehn: Und im Dunkeln auf den Kirchturm Die Nacht der offenen Kirchen leidet unter Besucherschwund

SONNTAGS um zehn : Und im Dunkeln auf den Kirchturm Die Nacht der offenen Kirchen leidet unter Besucherschwund

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„Laudate omnes gentes ...“ Vor dem Brandenburger Tor war das Lied der ökumenischen Bruderschaft von Taizé am Sonntagabend kaum zu hören. Zwischen demonstrierenden Jemeniten, den als alliierte Soldaten verkleideten, sich als Fotomotive anbietenden Darstellern und Touristen verloren sich die rund 50 Kirchenmitglieder, die sich dort zum „Ökumenischen Pfingstweg“ getroffen hatten. Traditionell eröffnet die Prozession die „Nacht der offenen Kirchen“, zu der der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg seit 2000 einlädt. Doch von Jahr zu Jahr kommen weniger Menschen – und wären die evangelische Pröpstin Friederike von Kirchbach und der emeritierte katholische Weihbischof Wolfgang Weider nicht in ihren Amtstrachten mitgelaufen, hätte man die kleine Gruppe auf dem Mittelstreifen Unter den Linden auch für eine x-beliebige Reisegruppe halten können.

Die Flammen der „Nacht der offenen Kirchen“ loderte an diesen Pfingstwochenende vor der Zionskirche. Dort machte ein Holzkohlefeuer Nachtschwärmer auf die geöffnete Kirche aufmerksam. Schon von ferne waren die Stimmen des Neuköllner Cantemus-Chores zu hören. Er hatte sein Publikum mitgebracht, das Gotteshaus war gut besucht, zur Freude von Pfarrerin Eva-Maria Menard, die ein buntes Programm mit nächtlichen Turmbesteigungen, einer Thomasmesse für Zweifler und sogar einer Filmvorführung in der Kirche organisiert hatte. „Ich zeige meine Kirche gerne anderen Leuten, und nachts ist sie besonders schön“, sagte Menard. Das fand auch Hartmut Marocke aus Mariendorf, der am Vormittag eher zufällig im Gottesdienst seiner Gemeinde von der „Nacht der offenen Kirchen“ gehört hatte. Mit seiner Frau freute er sich über die „offene und entspannte Atmosphäre“ in den Gotteshäusern. „Schade nur, dass es im Vorfeld kaum Werbung dafür gab.“

Wohl auch deswegen sah man in anderen Kirchen deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren. Etwa in der katholischen Kirche „Herz Jesu“, nur wenige hundert Meter von der Zionskirche entfernt. Dort verloren sich zwei Dutzend Besucher in den Bänken, als Susanne Wagner-Wimmer und Andrzej Mielewczyk ein Orgelkonzert mit biblischen Meditationen anboten. Und auch das Nachtgebet der Gemeinschaft „Chemin Neuf“ war eher schwach besucht. „Wir freuen uns trotzdem über jeden, der kommt“, sagte Mielewczyk. „Denn eigentlich ist die Nacht der offenen Kirchen eine gute Gelegenheit, um mit Menschen aus der Nachbarschaft ins Gespräch zu kommen, die sonst nur wenig mit Kirche am Hut haben.“ Zumindest, wenn dafür geworben wird. Benjamin Lassiwe

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