SONNTAGS um zehn : Unterwegs zum ewigen Leben

Im Berliner Dom stand am Sonntag die Taufe im Mittelpunkt

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Ein Mann mit einer Videokamera filmt den Gottesdienst. Und Familienväter im schicken Sonntagsanzug versuchen krampfhaft, quengelnde Kleinkinder zu beruhigen. In der Evangelischen Kirche sind das sichere Zeichen dafür, dass eine Taufe stattfindet. So war es auch gestern im Berliner Dom. Im Zentrum des Gottesdienstes stand die Aufforderung Jesu’ an seine Jünger: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ Was Domprediger Thomas C. Müller gleich praktisch umsetzen konnte: Unter den Blicken zahlreicher um das Taufbecken versammelter Kinder taufte er Pauline Marie Sophie. „Alles, was dich von Gott getrennt hat, ist nun abgewaschen“, sagte Müller. „Die Taufe macht frei von Sünde und Tod und öffnet den Weg zum ewigen Leben.“

Dann war es Zeit für Alfred Buß, den Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, auf die schwere, hölzerne Kanzel des Doms zu steigen. Als Zeichen der Verbundenheit mit dem einst mit vereinten Kräften wiederaufgebauten Dom sind die Spitzen der 23 Landeskirchen der EKD immer wieder in Berlin zu Gast. Gestern brachte Buß also Westfalen nach Berlin: Der Präses predigte über ein Tauffest in seiner Heimatkirche, bei dem zu Ostern rund 120 Menschen in einem Freilichtmuseum getauft wurden. Größtenteils seien es Menschen gewesen, bei denen die Familie nicht intakt war oder die sich eine große Feier schlicht nicht leisten konnten. „Aber Familienrealitäten oder knappes Geld können doch kein Hindernis sein“, sagte Buß gestern im prachtvollen Dom. Die Aufforderung zur Taufe gelte für jeden Einzelnen: „Jeder soll mit allen Sinnen erfahren: Fürchte dich nicht!“

Die Taufe sei ein Symbol dafür, dass Jesus die Menschen begleite. „Die Taufe behütet nicht vor dem Leben und ist kein Sicherheitsgurt oder Airbag und macht die Menschen auch nicht unverletzbar“, sagte Buß. „Aber sie sagt uns Christi Nähe zu, sowohl auf den Gipfeln als auch in den Tälern unseres Lebens.“ Das gelte selbst dort, wo die „Mächte des Verderbens“ rufen: Bei den Terroranschlägen von Oslo und Utöya oder in der Dürre von Somalia, wo der Tod „schleichend“ komme. Aber Jesus „werde bei euch sein, in Wort und Sakrament – am Ende der Zeit und am Ende der Welt wird er dort sein, wo du bist“. Benjamin Lassiwe

Die Gemeinde im Netz:

www.berlinerdom.de

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