SONNTAGS um zehn : Vertreibung aus dem Paradies

Auch in Schöneberg wurde am Sonntag der Erdbebenopfer in Japan gedacht

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„Gott, Du hast unseren Glauben auf die Probe gestellt“, betete Pfarrer Richard Horn. „Warum zeigst Du Dich als Todesengel?“ Auch in der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Schöneberg war die Katastrophe in Japan gestern ein Thema: Im Gottesdienst in der kleinen Dorfkirche an der Hauptstraße beteten die Gemeindemitglieder für die Opfer. „Führ uns an atomarer Nacht vorüber, hilf der Hoffnung auf“, sangen sie in einem Kirchenlied. Und am Ausgang sammelten die Christen für die Diakonie-Katastrophenhilfe, die die Betroffenen in Japan unterstützt. Mancher Kirchgänger mochte dabei an Bekannte denken: Denn zweimal im Monat ist in den Räumen der Gemeinde die kleine „Japanische Evangelische Gemeinde Berlin“ zu Gast, um dort Gottesdienst zu feiern.

Gestern allerdings blieben die Einheimischen unter sich. In der schlichten, grau verputzten Kirche sprach Pfarrer Horn über den Sündenfall und die Vertreibung der Menschen aus dem Paradies. Horn betonte, wie wichtig es sei, sich ohne Ausreden zu seiner Schuld zu bekennen. In Südafrika etwa habe es nach der Apartheid Wahrheitskommissionen gegeben, „und allen, die ihre Schuld eingestanden haben, wurde Amnestie gewährt. Das entspricht ziemlich genau dem, was Gott mit uns Menschen tut.“ Jesus Christus habe durch seinen Tod am Kreuz auf dem Hügel von Golgatha die Schuld der Menschen auf sich genommen, anstatt wie Adam und Eva nach Ausreden zu suchen. Seiner Gemeinde schlug der Pfarrer vor, sich daran ein Beispiel zu nehmen. Denn in der Fastenzeit, den 40 Tagen von Aschermittwoch bis Ostern, ruft die Evangelische Kirche zu einem anderen Lebensstil auf. Christen sollten versuchen, „sieben Wochen ohne Ausreden“ zu leben. „Es geht darum, dazu zu stehen, wenn man schuldig geworden ist.“ Benjamin Lassiwe

Die Gemeinde im Internet: www.alt-schoeneberg.de. Der nächste Gottesdienst der japanischen Gemeinde findet am 20. März um 15 Uhr statt.

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