Berlin : Sonntags um zehn: Viele Sprachen, ein Anliegen

Jörg-Peter Rau

Im ersten Moment könnte man glauben, die babylonische Sprachverwirrung sei auf dem Stand von vor dem Pfingstwunder. 15 Mal wird das Evangelium vorgetragen: in Österreichisch, Ägyptisch und Bulgarisch, Englisch, Estnisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Rumänisch, Schwedisch, Tschechisch und Ungarisch. Doch gewisse Worte kehren wieder: Paul, Pawel, Paolo; Macedonia, Macédonie, Mazedonien. Und der flehende Ton.

Das Bibelwort für den Abschlussgottesdienst zum 10. Kongress der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Stadtmissionen im Berliner Dom hätte kaum treffender sein können: Der Apostel Paulus hat nächtens die Vision von einem Mazedonier, der ihn anfleht: "Komm zu uns herüber und hilf uns." Herüberkommen und helfen: Das ist das Selbstverständnis in der Arbeit der Stadtmissionen. Grenzen zum Mitmenschen zu überwinden, zu den sozial Ausgegrenzten, aber auch zu denen, die sich aus der Gemeinschaft der Glaubenden verabschiedet haben.

Und Grenzen sollten auch beim Kongress überwunden werden. Mehr als 160 Teilnehmer auf 17 Nationen hatten sich in Berlin ausgetauscht und eine engere Zusammenarbeit vereinbart - gemäß dem Motto "suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn." Das Gebet, so Stadtmissiondirektor Hans-Georg Filker in seiner Predigt, dürfe dabei nicht zu kurz kommen. Die "Offensive guter Taten" habe nur Sinn und Berechtigung, wenn die Wurzeln des eigenen Engagements ständig neu ausgelotet würden. Und dabei komme dann auch die Erkenntnis, dass das Evangelium immer mehr zur Bereicherung werde, je mehr man davon abgebe. Das sei auch der große Unterschied zum Geld der Wohlhabenden, auf das alle Stadtmissionen dringend angewiesen sind und das so schwer zu bekommen ist. Eine Zusammenfassung seiner Ansprache gibt Filker auf Englisch. Sprachen sind eben doch noch eine Barriere. Doch nicht nur die Wörter Paul und Mazedonien haben den Stadtmissions-Mitarbeitern gezeigt, dass sie auf einer anderen Ebene die gleiche Sprache sprechen: Die, in der sowohl betende Demut mit ihren Hilferufen über alle Grenzen hinweg als auch erlöste Gewissheit zum Vokabular gehören.

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