SONNTAGS um zehn : Von Leben und Tod

Hochmesse in Dominikanerkirche Sankt Paulus

Heidemarie Mazuhn

Der Hausmeister ist nicht mehr in Lebensgefahr. Das war gestern vor Beginn des Gottesdienstes in der Dominikanerkirche Sankt Paulus in Moabit die frohe Botschaft an die Gemeinde, verbunden mit einem Gruß des Verunglückten. Fast an ein Wunder grenze es – so wurde verkündet – dass der dienstbare Geist des Dominikanerklosters zwar noch auf der Intensivstation läge, aber wahrscheinlich nicht mal operiert werden müsse.

Ein Schutzengel muss dafür gesorgt haben, dass der Sturz des 32-Jährigen so glimpflich ausfiel. Am Freitag war er, wie berichtet, von dem Baugerüst, dass augenblicklich die 1893 erbaute Kirche ausfüllt, aus 24 Meter Höhe abgestürzt. Der Tod hat den Mann nur gestreift. Der Tod, dessen Tatsache unsere heutige Gesellschaft immer mehr verdrängt. Dazu wurden gestern in der Hochmesse der für Berliner Verhältnisse ungewöhnlich gut besuchten Dominikanerkirche in der Waldenserstraße deutliche Worte laut.

Von einer Krankenschwester, die Schwerkranke pflege, erzählte Diakon Olaf Tuszewski in seiner Predigt. Sie gäbe sich als Christin alle Mühe, aber irgendwann stellte sich ihr die Frage nach dem Sinn des Lebens. Das Gespräch mit ihr hätte ein Ergebnis gehabt: Wir Menschen können diese Frage nicht beantworten. Aber alle werden wir irgendwann bei Gott sein, der dies beantworten könne.

Christen hätten nur dieses Leben hier auf Erden, es ist nicht austauschbar und nicht wiederholbar. Und: „Wir haben einen Gott für die Lebenden, nicht für die Toten.“ Der Glaube an das Leben in Gottes Ewigkeit dürfe den Wert der irdischen Existenz nicht mindern. „Was ist das Leben noch wert, wenn es wiederholbar ist“, fragte der Diakon und meinte diejenigen, die an die Wiedergeburt glauben. Christen hätten deswegen den Auftrag, dieses einzige irdische Leben ganz und voll zu leben – mit all seinen Schatten, aber auch mit all seinen Freuden. „Gerade heute“, sagte der Diakon, „wo die Karnevalssaison beginnt“.

Dieses Leben gelte es zu schützen, äußerte er sich auch zur Sterbehilfe als Motto eines Vereins. „Es kann nicht sein, dass wir zulassen, dass Menschen sterben können, wann sie wollen“, hieß es von der Kanzel. Was uns im Leben fehlt, werden wir im Ewigen von Gott bekommen. Der gestern gefeierte Heilige Martin habe vor 1600 Jahren ein Beispiel gegeben, wie wir als Christen leben können. Unsere Aufgabe sei es, ein Zeichen zu setzen, denn „wir haben unsere Einmaligkeit von Gott erhalten“. Dazu gehöre auch ein Namen auf dem Friedhof und nicht, dass man sich anonym verscharren lasse, wie das in Berlin immer mehr üblich sei. Heidemarie Mazuhn

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