SONNTAGS um zehn : Wo sich Himmel und Erde berühren

In der Zehlendorfer Paulus-Kirche werden gleich zwei neue Orgeln geweiht.

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Zum Lobe Gottes. Kantor Cornelius Häußermann probt in der Zehlendorfer PaulusKirche an der neuen Bach-Orgel (im Hintergrund die neue französisch-sinfonische Orgel).Foto: Thilo Rückeis
Zum Lobe Gottes. Kantor Cornelius Häußermann probt in der Zehlendorfer PaulusKirche an der neuen Bach-Orgel (im Hintergrund die...

In der Zehlendorfer Paulus-Kirche mussten manche Gottesdienstbesucher am Sonntag sogar draußen bleiben. Bis auf den letzten Platz war das viele 100 Menschen fassende Gotteshaus am Teltower Damm besetzt, selbst auf den Altarstufen saßen Gemeindemitglieder. Denn es gab etwas zu feiern: Gleich zwei neue Orgeln – eine Bach-Orgel aus der Altenahrer Orgelbauwerkstatt Rowan West und eine französisch-sinfonische Orgel aus der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke – wurden feierlich eingeweiht. Weswegen der Festgottesdienst zunächst auch nur mit A-Capella-Gesang begann. Kinder des Kinderchors „Paulinchen“ bliesen auf alten Orgelpfeifen die Anfangstöne von „Lobe den Herren“, bevor der frühere Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, mit einer Lesung aus der Bibel und einem Gebet die Orgeln ihrer Bestimmung übergab. „Gott zur Ehre und der Gemeinde zur Freude“ sollen die Instrumente künftig dienen. „So seien diese Orgeln im Namen Gottes geweiht und in den Dienst seiner Gemeinde gestellt.“

In der Predigt wurde der Theologe dann persönlich: „Himmel und Erde berühren sich“, sei sein erster Gedanke gewesen, als er den Klang der beiden Instrumente hörte, sagte Huber. Es sei ein kühner, von manchen auch für tollkühn gehaltener Beschluss gewesen, in der Kirche nicht nur eine, sondern gleich zwei neue Orgeln zu errichten. Doch es sei ein „großes Zeichen für die Kirche“ geworden, für die Gesellschaft im Ganzen, die Stadt und die Kultur im Bezirk. „Stellen wir uns nur einmal vor, das Projekt hätte es nicht gegeben“, sagte Huber in der Predigt. „Dann hätten wir uns hier schon um 10 Uhr zum Gottesdienst getroffen, die alte Orgel hätte geknarzt, der Kantor hätte gesagt, wir singen a capella, und der von mir hochgeschätzte Blockflötenkreis hätte musiziert.“ Doch die Orgeln hätten auch eine Aufgabe: Sie sollten dem Lob Gottes und der Arbeit der Gemeinde dienen. Vor allem dem Weitersagen von Gottes Liebe: „Jesus schärft den Menschen das Gebot der Liebe ein, damit die Freude unter den Menschen lebt.“ Musik mache das Evangelium hörbar, helfe beim Klagen, „und sie bringt Freude in unsere manchmal freudlose Kirche.“

Doch weil die Kirche manchmal genau so ist, und die ganze Welt derzeit über den verschwenderischen Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, diskutiert, sprach auch Gemeindepfarrer Andreas Schiel noch einige Worte zu den Gemeindegliedern. „Weniger als vier Prozent des Bauprojekts wurde aus Kirchensteuermitteln finanziert“, betonte der Pfarrer. „Und dieses Geld ist nur in die baulichen Maßnahmen, etwa die Verstärkung der Statik der Empore, geflossen.“ Die beiden Orgeln, die zusammen mehr als 1,5 Millionen Euro kosteten, seien ausschließlich durch Spenden und bürgerschaftliches Engagement finanziert worden. Patenschaften für Orgelpfeifen und Benefizkonzerte haben dafür gesorgt, dass die Paulus-Kirche in Zehlendorf-Mitte wieder zu einem kulturellen Zentrum im Bezirk werden kann. Und begonnen wurde damit bereits am Sonntag: Als das Amen nach dem Schlusssegen verklungen war, blieben viele Besucher noch, um bei zwei Konzerten dem Klang der neuen Instrumente zu lauschen. Benjamin Lassiwe

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