SONNTAGS um zehn : Zweifaches Labsal

Festival-Ausklang in der Hochmeister-Gemeinde

Heidemarie Mazuhn

Bis zum nahen Kurfürstendamm kann man sonntags die Glocken der evangelischen Hochmeister-Kirche in Halensee zum Gottesdienst rufen hören. Ob der weiterhin um 9 Uhr 30 statt wie in den meisten evangelischen Gemeinden um 10 Uhr beginnt, darüber konnte man gestern auf einer Unterschriftenliste entscheiden. Gestern machte der frühe Beginn besonders Sinn – nach dem Gottesdienst lud Pfarrerin Cornelia Benus-Dreyer die Gemeinde ein, um 11 Uhr an der Abschlussmatinee des ersten Kulturfestivals „Rhapsody in Hochmeister“ teilzunehmen.

Von Orffs „Carmina Burana“ über Kurt Weills „Dreigroschenmusik“ bis zu „Night an Day“ mit Jazz und Swing reichte vom 25. Juni bis zum 1. Juli das Angebot in der Hochmeisterkirche, die sich damit vor allem als ein Ort der Begegnung verstand – in der „Kirchenschänke“ im Garten konnte man die jeweilige Veranstaltung gemeinsam ausklingen lassen.

„Canta in Prato“ war gestern das Motto für den letzten Festivalstag, den das Barock-Ensembles „Cappella Stravagante“ bestritt. Der musikalische Genuss reihte sich harmonisch an das geistliche Labsal an, das die Hochmeister-Gemeinde zuvor im Sonntagsgottesdienst nicht nur mit dem Abendmahl genoss.

Beides stärke das Zusammenleben, hatte die Pfarrerin in ihrer Predigt herausgearbeitet. Um den menschlichen Umgang ging es darin – ausgehend von der Geschichte aus dem Johannes-Evangelium, die von der Ehebrecherin erzählt, der Jesus das Leben rettet. „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie“, war er genial einfach den Pharisäern nicht in die Falle gegangen. Ob sie die Frau steinigen sollen, wie es das Gesetz vorsieht, hatten diese Jesus gefragt. Das Ende ist bekannt – keiner warf einen Stein. Waren sie doch allesamt Sünder und durch Jesus mit sich selbst konfrontiert. Auch uns stelle sein Satz nebeneinander. „Er will, dass wir in der Gemeinschaft leben und mit der Kraft, uns zu vergeben“, sagte die Pfarrerin. Durch Jesus erinnere uns Gott, dass niemand ohne Fehl und Tadel ist, aber als solche alle von ihm geliebt. Heidemarie Mazuhn

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