• SONNTAGS um zehn: Zweimal Nacht und Nebel Sozialer Brennpunkt und Szenekiez: die Genezareth-Kirche in Neukölln

SONNTAGS um zehn : Zweimal Nacht und Nebel Sozialer Brennpunkt und Szenekiez: die Genezareth-Kirche in Neukölln

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Die Genezareth-Kirche am Neuköllner Herrfurthplatz ist sozusagen der geografische Mittelpunkt des Schillerkiezes. Und der gilt als sozialer Brennpunkt mit großem muslimischen Bevölkerungsanteil, hat sich aber zugleich zum neuen Szeneviertel entwickelt. Samstagnacht war in den Galerien und Clubs in Nord-Neukölln mal wieder eine der langen Kunst- und Kulturnächte, genannt „Nacht und Nebel“. Für Nachtschwärmer beginnt der Gottesdienst aber zu früh: um 9.30 Uhr.

Etwa 25 Kirchgänger haben sich auf den halbkreisförmigen Bänken versammelt. Auch Pfarrerin Elisabeth Kruse spricht über „Nacht und Nebel“: Diesen Namen habe schon ein Erlass der Nationalsozialisten getragen, der vor 70 Jahren viele Menschen das Leben kostete. Die Namensgleichheit sei ein unglücklicher Zufall, gehe es doch in der aktuellen Ausstellung in der Kirche gerade um einige dieser Opfer. Große Schwarzweißporträts blicken von der Empore auf die Gottesdienstbesucher herab.

Dann weist die Pfarrerin mit ihrer weichen, aber sehr bestimmten Stimme darauf hin, dass „unsere muslimischen Nachbarn heute das Opferfest feiern“. Und gleichzeitig beginne im Schillerkiez „die ,Woche des Besuchs‘ mit täglichen Gelegenheiten, einander kennenzulernen“. Diese hat das Quartiersmanagement organisiert – mit Führungen, einer Opferfesttafel und einem „Ball der Kulturen“.

Im Einladungsflyer zum Gottesdienst steht ausdrücklich, dass auch „Mitglieder anderer Konfessionen und Kulturkreise“ eingeladen seien. Gekommen sind fast ausschließlich Gemeindemitglieder. Sie habe es nicht unbedingt anders erwartet, sagt die Pfarrerin nach dem Gottesdienst. Vorher hat sie ihrer Gemeinde aber noch nachdrücklich die Führung durch die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm am Mittwoch ans Herz gelegt, die auch zur Besuchswoche gehöre. „Mal sehen“, sagt eine der anwesenden, zwischen 50 und 60 Jahre alten Frauen, die anscheinend regelmäßig zum Gottesdienst kommt: „Vielleicht gehe ich hin.“Daniela Martens

Informationen zur Woche des Besuchs unter www.schillerpromenade-quartier.de

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