Sonntagsverkauf : Im Hauptbahnhof schließen erste Läden

Abgesperrt und zugemacht: Im Streit um den Sonntagsverkauf sind Shopbesitzer lieber vorsichtig – und irritieren damit Kunden. Einige Läden sperren die Regale mit Putzmitteln und Tierfutter ab, weil sie kein Reisebedarf sind.

 Rita Nikolow

Berlin - Die ersten Folgen der Debatte um die Ladenöffnungzeiten im Berliner Hauptbahnhof sind dort an diesem Sonntag hinter einer Glastür zu sehen. Der Besitzer des Wäscheladens Calida hat am Eingang ein Schild aufgehängt: „Vorübergehend haben wir sonntags geschlossen“, ist dort zu lesen.

Und auch Rossmann hat Konsequenzen gezogen, die nicht zu übersehen sind: Enttäuscht kommt Tamara Becker aus der Filiale am Hauptbahnhof: „Alles, was ich heute hier besorgen wollte, ist mit einer rot-weißen Kette abgesperrt“, sagt die Studentin und zeigt verärgert auf ein Loch in ihrem T-Shirt: „Ich brauche ganz dringend Mottenkugeln.“ Keinen Zugang haben die Rossmann-Kunden an diesem Tag auch zu den Regalen mit dem Tierfutter und den Wasch- und Putzmitteln. „Sonntags dürfen wir nur gesetzlich zulässigen Reisebedarf verkaufen“, erklärt ein Schild, das zwischen den abgesperrten Regalen steht. Die Mitarbeiter, die auch die wechselnden Artikel aus der „Ideen-Welt“ mit Tüchern zugehängt haben, wollen sich zu der Aktion nicht äußern.

Eine Ausnahme von dieser Sonntagsregel genießt laut Ladenöffnungsgesetz bislang nur der Flughafen Tegel. Für Toni Brentrup, den Besitzer des Modeladens Gerry Weber, ist das unverständlich. „Die Läden am Hauptbahnhof müssten mit Tegel gleichgestellt werden“, findet er, der wie seine Kollegen weiterhin sonntags öffnet. Für viele seiner Mitarbeiter sei es wichtig, an diesem Tag zu arbeiten, vor allem wegen der Zuschläge. Und auch, weil sich zum Beispiel alleinerziehende Mütter dann unter der Woche um ihre Kinder kümmern könnten. Dass für einige Mitarbeiter die Sonntagsdienste fest im Wochenplan verankert sind, bestätigt auch Mustafa Lankow, dem die Esprit-Filiale im Hauptbahnhof gehört. „Und wenn wir sonntags nicht mehr öffnen dürfen, muss ich 20 Prozent meines Personals abbauen.“

Den Sonntags-Streit haben auch Norbert und Bertha Wilhelm mitbekommen, die gerade in Berlin Urlaub machen. „Dass in der Hauptstadt über so etwas diskutiert wird, hat mich sehr überrascht“, sagt die Stuttgarterin. Ihr Mann ergänzt: „Dieser Streit ist ziemlich provinziell.“ Die Absperrungen bei Rossmann finden die beiden „drollig“.

Mit Kontrollen durchs Ordnungsamt muss an diesem Sonntag kein Ladenbesitzer rechnen. Mittes Wirtschaftsstadtrat Carsten Spallek (CDU) hat das Nichthandeln damit begründet, dass der Hauptbahnhof Privatgelände ist – und seine Mitarbeiter nicht zugangsberechtigt sind. Sonntägliche Kontrollen nicht ausschließen wollte dagegen das Landesamt für Arbeitsschutz – das bereits gegen mehrere Ladenbesitzer Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet hat.

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