Berlin : Sophia Wendt: Das Geständnis des Entführers

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Der am Freitagnachmittag in Hellersdorf festgenommene Berto B. hat die Entführung der neunjährigen Sophia Wendt gestanden. Gegen den 36-jährigen gelernten Schlosser wurde gestern Haftbefehl erlassen. Er gab noch am Freitagabend zu, Sophia Wendt aus sexuellen Motiven verschleppt zu haben. Das Kind sei ein zufälliges Opfer gewesen. Der Täter hatte das Mädchen nach vier Tagen freigelassen. Ärztliche Untersuchungen ergaben, dass gegen die Schülerin keine Gewalt angewendet worden war. Auch Hinweise, dass das Kind sexuell missbraucht wurde, gab es nicht. Allerdings wollte sich der Täter dem Mädchen sexuell nähern und habe es auch versucht, sagte ein Polizeisprecher. Einzelheiten wurden nicht genannt. Obwohl die Familie Wendt vor ihrem Umzug in das Einfamilienhaus am Klüsserather Weg in der weiteren Nachbarschaft des Entführers wohnte, kannten sie sich nicht. Zwischen der Familie Wendt und dem Entführer habe "keine Vorbeziehung bestanden", sagte ein Polizeisprecher und trat Spekulationen und Gerüchten entgegen, die Familie könne die Entführung vorgetäuscht haben, um über deren Vermarktung in den Medien Geld zu verdienen. Wegen der zahlreichen Interviews, die das Kind nach seiner Freilassung gab, gerieten zeitweise sogar die Kripo-Ermittlungen ins Hintertreffen.

Unmittelbar nach der Festnahme des 36-jährigen hieß es, er habe große Mengen Tabletten geschluckt und sei nicht vernehmungsfähig. Dann stellte sich aber heraus, dass er lediglich eine geringe Dosis Antidepressiva genommen hatte. Und dies auch nicht, wie ursprünglich vermutet, in Selbsttötungsabsicht, sondern zur Linderung von Depressionen. Als zudem ein Arzt nach einer Untersuchung bescheinigte, dass der Mann verhört werden kann, fand die erste Vernehmung noch in den Abendstunden des Freitags statt.

Dabei legte der Täter "ein umfassendes Geständnis ab, das sich inhaltlich voll mit dem bisher ermittelten Sachstand und den Angaben des Mädchens deckt", teilte gestern die Polizei mit. Als der Täter am Spätnachmittag des 4. Januar aus privaten Gründen am Klüsserather Weg gewesen war, begegnete ihm zufällig Sophia Wendt, die vom Schulhort kam und nach Hause wollte. Nur etwa 80 Meter vom Elternhaus entfernt packte er das Mädchen, hielt ihr den Mund zu und drohte ihr, er werde sein Messer ziehen, falls sie schreie. Dann zerrte er das Kind zur Kreuzung Eltzbachweg, wo er sein Auto abgestellt hatte, stieß das Kind hinein und fuhr mit ihm zu seiner Wohnung an der Suhler Straße. Er habe von Anfang an die Absicht gehabt, das Kind wieder frei zu lassen, sagte der Entführer. Er hatte das Mädchen, wie berichtet, am Montagmorgen nahe dem Polizeiabschnitt 72 an der Cecilienstraße in Hellersdorf ausgesetzt.

Drei Tage lang hielt er Sophia Wendt in seiner Einzimmer-Wohnung fest. Sie durfte fernsehen, und er spielte mit ihr "Mensch ärgere dich nicht". Im Fernsehen konnte das Kind die Fahndung verfolgen, sah das Foto, mit dem nach ihr gesucht wurde, und ihre Eltern, als diese an den Entführer appellierten, ihre Tochter frei zu lassen.

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