Berlin : Sophia Wendt: Entführer droht lange Haftstrafe

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Der Entführer Sophia Wendts hat insgesamt sechs Mal versucht, sich an der Schülerin sexuell zu vergehen, während sie in seiner Gewalt war. Der Haftbefehl, der am Sonnabend gegen den 36-Jährigen erlassen worden war, lautet auf Freiheitsberaubung und sechsfachen schweren versuchten sexuellen Missbrauch. Dem geständigen Täter droht eine mehrjährige Haftstrafe. Für Freiheitsberaubung unter einer Woche sieht der Gesetzgeber eine Haftstrafe von maximal fünf Jahren vor, der sexuelle Missbrauch von Kindern wird mit bis zu zehn Jahren bestraft. Nicht auszuschließen ist, dass der Täter, sofern bei ihm eine psychische Störung festgestellt wird, in eine Klinik eingewiesen wird.

Drei Tage lang war die neun Jahre alte Schülerin in der Gewalt des Mannes, der sie dann am Montag vergangener Woche frei gelassen hatte. Hinweise darauf, dass gegen das Kind Gewalt angewendet worden war, wurden von Medizinern ebensowenig festgestellt wie Spuren von sexuellem Missbrauch. In seinem Geständnis gab der Mann allerdings zu, das Kind aus sexuellen Motiven verschleppt und später versucht zu haben, sich ihm sexuell zu nähern.

Allerdings ist bisher offenbar nicht vollständig geklärt, was sich alles in den drei Tagen von Sophias Gefangenschaft in der Wohnung des Mannes ereignete. Zwar sagte das Kind, es habe ferngesehen und der Täter habe mit ihm "Mensch ärgere dich nicht" gespielt. Das Mädchen nannte zahlreiche Details zu dem Haus und der Wohnung, in der sie festgehalten wurde, die die Polizei schließlich auch zum Täter führten. Aber die weiteren Geschehnisse hat sie dem Vernehmen nach bisher noch nicht einmal ihren Eltern anvertraut.

Die Verschleppung von Sophia Wendt ist zumindest in der Berliner Kriminalgeschichte bisher einmalig. In keinem anderen bekannten Fall wurden aus sexuellen Motiven entführte Kinder von ihrem Peiniger nicht sexuell missbraucht und wieder freigelassen. Der Entführer von Sophia Wendt hat das Mädchen sogar nahe einem Polizeiabschnitt ausgesetzt. Er hatte auch nicht versucht, sein Gesicht vor dem Kind zu verbergen oder ihm die Augen zu verbinden, um zu verhindern, dass die Schülerin ihn oder die Umgebung, in der sie festgehalten wurde, später wiedererkennt. Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Täter betont, er habe von Anfang an vorgehabt, das Kind freizulassen.

Der aus Brandenburg stammende Mann war bisher für die Polizei ein unbeschriebenes Blatt. Er habe keine Angaben zu anderen ähnlichen Straftaten gemacht und es gebe keine Hinweise, dass er für weitere Taten in Betracht komme, sagte ein Polizeisprecher.

Die Rätsel im Fall der seit Ende November vermissten Sandra Wißmann bleiben indessen weiter ungelöst. Die zwölfjährige Schülerin war ebenfalls in den späten Nachmittagsstunden am Kottbusser Damm in Kreuzberg verschwunden. Sie hatte sich von ihrer Mutter verabschiedet, um für sie bei Karstadt am Hermannplatz ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Seither fehlt jede Spur von dem Mädchen. Nach dem Verschwinden von Sophia Wendt war zunächst nicht ausgeschlossen worden, dass es einen Zusammenhang bei dem Verschwinden der beiden Mädchen geben könnte.

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