Berlin : Sopran und Bass in einer Person

Das Stimmwunder Edson Cordeiro kommt

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Auf den ersten Blick sieht Edson Cordeiro aus wie ein Rockstar. Er trägt mehrere schwere Ketten um den Hals und ein weißes Muskelshirt. Beide Arme sind tätowiert. Schaut man den brasilianischen Sänger aber genauer an, so wirkt er nicht mehr wie ein RockRebell. Auf seinem rechten Oberarm trägt er das Tattoo eines Frauengesichts, genauer: das der Opernsängerin Maria Callas. „Ich verehre sie“, sagt er und verdreht die Augen in Richtung Himmel. Sie ist sein großes Vorbild.

Wie bitte? Als Mann eifert er der Diva nach? Edson Cordeiro sieht da überhaupt kein Problem. Schließlich singt er mit kräftigem Sopran auch Opernarien – der Brasilianer ist ein Ausnahmetalent. Seine Stimme umfasst vier Oktaven; die der meisten Menschen umfasst anderthalb bis zwei. Der 37-Jährige mag die Gegensätze. Mal tritt er mit großen Orchestern auf, mal nur mit Gitarrenbegleitung. Erst trug er die Haare lang und sah fast weiblich aus, dann hatte er einen kahlen Schädel. Auf der Bühne brummt er im einen Moment mit tiefer Bassstimme Rockklassiker ins Mikrofon, im nächsten jauchzt er Opernarien. Er spielt den lasziven Verführer und die gekränkte Geliebte. Er singt auf großen Jazz-Festivals und in kleinen Bars. Wie das klingt, können die Berliner vom 3. bis zum 18. August in der „Bar jeder Vernunft“ erleben.

Cordeiro trainiert jeden Tag, damit er fit bleibt für seine Auftritte. „Meine Stimme ist zu 85 Prozent ein Geschenk der Natur“, sagt er, „15 Prozent sind Training.“ Eigentlich mache er nichts anderes als singen. „Ich kann kaum glauben, dass ich davon leben kann“, sagt er und sieht dabei aus, als wäre er tatsächlich immer noch von seinem Erfolg überrascht.

Dabei hat der Brasilianer bereits vor zehn Jahren in Europa schon Aufsehen erregt. Nachdem er in Sao Paulo im Kirchenchor gesungen und in verschiedenen Theatern gespielt hatte, veröffentlichte er Anfang der 90er sein erstes Album, auf dem er auch deutsch sang: „Naturträne“ von Nina Hagen. 1994 trat er auf dem Jazz-Festival in Montreux auf und wurde gefeiert. Zu der Zeit war er auch zum ersten Mal in Berlin. Nun ist er wieder da. urs

Edson Cordeiro, Bar jeder Vernunft, Schaperstraße 24, 3. bis 18. August, Karten 17 bis 25 Euro, Info-Telefon 883 15 82

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