Berlin : Sorge um das Aufmarschgebiet Reichstagsrasen

Die geplante Bundeswehr-Zeremonie auf der sensiblen Grünfläche könnte teuren Schaden anrichten, fürchtet der Bezirk Mitte

Sebastian Leber

An die letzte Großveranstaltung vor dem Reichstag erinnert sich Mittes Bezirksstadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) noch genau: „Ganz schlimm“ habe der Rasen nach dem Abschlussgottesdienst des Ökumenischen Kirchentags 2003 ausgesehen – das war ein „richtiges kleines Desaster“. 250 000 Euro seien damals nötig gewesen, um die geschundene Grünfläche wieder auf Vordermann zu bringen.

Nun fürchtet Dubrau, dass sich die Szenen von vor zwei Jahren wiederholen könnten: Am 26. Oktober will die Bundeswehr ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Großen Zapfenstreich vor dem Reichstag feiern. Zum militärischen Zeremoniell mit mehreren Hundert marschierenden Soldaten werden 7500 Gäste erwartet.

Der Bezirk Mitte, dem die Fläche vor dem Reichstag gehört, hat den Zapfenstreich bereits genehmigt. Aus „bundesweitem Interesse“ und einem „bisschen Druck von außen“, wie es Dubrau formuliert. Trotzdem bleibt sie bei ihrer Meinung, dass die Rasenfläche vor dem Parlament für derlei Großveranstaltungen „völlig ungeeignet“ sei.

Unterstützung erhält Dubrau aus der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus. Mit „ihrem derben Schuhwerk“ könnten die Soldaten erheblichen Schaden auf der Freifläche anrichten, sagt die umweltpolitische Sprecherin Felicitas Kubala. Besonders ärgerlich sei, dass noch vor wenigen Wochen den Veranstaltern des Benefiz-Konzerts Live-8 der Reichstag als Bühnen-Standort verweigert worden war: „Das ist jetzt kein schönes Zeichen.“

Auch der Landessportbund findet die Entscheidung des Bezirks „zumindest etwas verwunderlich“. Sprecherin Angela Baufeld erinnert daran, dass das Fußballspielen auf dem Rasen – aus Sorge um das Grün – seit zwei Jahren streng verboten ist. Wer zuwiderhandelt, kann mit 50 Euro bestraft werden. Diese Vorsichtsmaßnahmen seien auch notwendig, sagt Hans-Gottfried Walter vom Grünflächenamt Mitte. Der Rasen sei extrem anfällig und müsse regelmäßig ausgebessert werden. Allein in diesem Jahr habe der Bezirk 30 000 Euro für die Regeneration des Rasens investieren müssen. Die Mittel stammen aus dem Bezirkstopf für Grünanlagenunterhaltung. 1,5 Millionen Euro stehen dort jedes Jahr bereit, um Parks, Wiesen und Spielplätze in Mitte instand zu halten. Das Geld werde dringend benötigt, zumal der Etat in den vergangenen Jahren aus Spargründen bereits um 80 Prozent gekürzt worden sei, sagt Walter.

Unterdessen versucht das Bundesverteidigungsministerium, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen. Die Bundeswehr habe mit solchen Veranstaltungen genügend Erfahrung und werde den Rasen „großflächig mit Planen und Platten“ abdecken, sagt ein Sprecher. „Wo genau marschiert und gestanden“ werden soll, stehe zwar noch nicht fest, aber wegen der Abdeckung nehme der Rasen mit Sicherheit keinen Schaden. Dieses Argument lässt Grünen-Sprecherin Felicitas Kubala nicht gelten: Es gehe ja nicht bloß um ein „paar zertretene Grashalme“, sondern auch um die hoch sensible Sprenkleranlage. Die Rohre, die 50 Zentimeter unter der Erde liegen und dem Rasen stets die richtige Menge Wasser zuführen, seien akut gefährdet. Da könnten auch keine „gut gemeinten Abdeckungen“ helfen, sagt die Abgeordnete.

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