Berlin : Sorge vor allem um die Uferstraßen am Tiergartentunnel

Vorstandsmitglied Waldau:"In Berlin sind ab dem Jahr 2002 Verhältnisse wie in London, Rom oder Paris möglich"

In das Straßennetz dieser Stadt müssen nach Auffassung des ADAC Milliarden investiert werden, um einen drohenden Verkehrskollaps zu vermeiden. "Wenn nichts passiert, werden die Staus in dem Maße zunehmen, dass sie nicht mehr beherrschbar sind", sagte jetzt Eberhard Waldau, Vorstandsmitglied beim ADAC Berlin-Brandenburg. Die Verkehrspolitik dürfe nicht nach politischer Wetterlage geändert werden. Vielmehr müsse ein umfassender Plan erstellt und konsequent umgesetzt werden, sagte Waldau weiter.

"In Berlin sind ab dem Jahr 2002 Verhältnisse wie in London, Rom oder Paris möglich", erläuterte Waldau. Ehrgeiziges Ziel der Verkehrspolitik müsse es aber sein, Berlin als attraktive Metropole wieder aufleben zu lassen. Hierfür seien kurzfristig eine Studie über die Leistungsfähigkeit des Verkehrs, eine attraktivere Gestaltung der öffentlichen Verkehrsmittel und ein intelligentes Baustellen- und Verkehrsmanagement nötig, äußerte das ADAC-Vorstandsmitglied.

Langfristig muss nach Auffassung Waldaus neben dem Autobahnring um die Hauptstadt auch die Stadtautobahn und der Innenstadtring wieder zum historischen Drei-Ring-System ausgebaut werden. "Berlin hat schon zu Inselzeiten nicht die Gesamtheit betrachtet, sondern immer nur an Einzelstücken geplant", meinte Waldau. Unter anderem dürfe der Tiergartentunnel nicht einfach an den schmalen Uferstraßen des Landwehrkanals enden, sondern es müsse ein Anschluss-Stück bis zur Stadtautobahn gebaut werden.

"Schon heute fahren jeden Tag auf den Uferstraßen 60 000 bis 80 000 Fahrzeuge, und die Tendenz ist extrem steigend". Sollte der Verkehr des Tunnels auch noch über diese Straßen geleitet werden, seien Verhältnisse wie früher am Sachsendamm sehr wahrscheinlich. Der Damm war über Jahre Nadelöhr zwischen zwei Teilen der Stadtautobahn, wo sich täglich der Verkehr massiv staute. Dort mussten die Autos zudem vor einer Ampel halten und warten, bis sie wieder auf Grün sprang.

Die Situation auf den Straßen wird langfristig nicht besser, davon ist der ADAC-Vertreter überzeugt. Schon jetzt fahren nach Angaben Waldaus täglich 150 000 Pendler aus dem Speckgürtel rund um Berlin in die Stadt. Der Verkehr in Berlin werde in den kommenden Jahren weiter zunehmen. "Berlin entwickelt sich zur Transit-Drehscheibe", warnte Waldau. Die Verkehrspolitik schreie sozusagen nach einer Fusion der beiden benachbarten Bundesländer Berlin und Brandenburg.
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