Berlin : Souvenirs aus SO36

Nicht Pflastersteine, sondern klein gesägte Teile des Holz-Parketts sollen helfen, den Umbau der Kreuzberger Tanzhalle zu finanzieren

Ariane Bemmer,Matthias Oloew

Von Ariane Bemmer

und Matthias Oloew

Kaum weniger vornehm als im feinsten Ballsaal konnten sich Füße fühlen, die im SO36 unterwegs waren. Man tanzte nämlich auf Parkett. Auch wenn das manchem Besucher erst jetzt offenbar werden dürfte, da der Boden der legendäre Kreuzberger Partyhalle in klein gesägten Teilen zum Verkauf angeboten wird. Bei schummrigem Licht war von dieser Vornehmheit nicht viel zu erkennen und der Pogo tanzenden Menge beim Punk-Konzert oder den kreischenden Fans vom Kiez-Bingo war es wohl auch Wurst, auf was sie standen.

Und dann war da auch noch das Blechteil vor der Bühne, da, wo vor Jahren mal die damals pinkhaarige „Ratten-Jenny“ in den Boden eingebrochen war, sich nicht verletzt, aber furchtbar erschrocken hatte. Seit dem 15. Juli werden Parkett, Tresen und Bühne saniert, und das kostet Geld, der gemeinnützige Betreiberverein Sub Opus nicht hat.

Also gibt es Soli-Veranstaltungen in eigener Sache, und man nahm die Idee eines Stammgastes auf, der fragte, was denn mit dem alten Parkett geschehe, er hätte davon gerne ein Stück. Gedacht, gemacht: Für fünf, beziehungsweise zehn Euro wird der geschundene Boden in zwölf mal vier, beziehungsweise 24 mal acht Quadratzentimeter großen Teilen verkauft. Entweder im Baustellen-Café im SO 36, das sonnabends und sonntags ab 21 Uhr auf Gäste wartet, oder im Büro von Sub Opus, das in der Oranienstraße 189 (direkt neben dem SO 36, Hinterhof, vierter Stock, geöffnet montags bis freitags von 12 bis 16 Uhr) residiert.

Hier lagern zurzeit auch noch die zersägten Parkettteile, die alle einen SO36-Aufdruck haben. Eine Frau war da, die wollte ihren eigenen Laden mit den Brettern in Gänze auslegen, ließ davon dann aber doch ab. Trotzdem verkauft sich das alte Holz täglich besser, heißt es im Büro. „Weil es sich herumspricht, dass es das gibt“, sagt ein Sprecher. Die meisten Abnehmer seien Fans, Leute, die früher selbst auf dem Boden herumgetrampelt sind. Und davon gibt es reichlich: Dass SO36 hat vor 25 Jahren eröffnet, seitdem wurde es nur einmal saniert – im Zuge der Internationalen Bauausstellung IBA in den 80er Jahren. Seitdem liegt der Boden, es wurde nichts umfassend verändert.

Bis zur Wiedereröffnung am 29. August mit großer Karaokeparty packen die 150 Vereinsmitglieder selbst mit an. Geld kommt unter anderem von den Partys, die während der Umbauzeit ausgelagert sind.

Zum Beispiel das Café Fatal. Der Tanztee mit anschließender Schlager- und Disco- Party vor allem für Lesben und Schwule hat während der Umbaupause ein Domizil im SchwuZ am Mehringdamm gefunden. Drei Mal hat es dort schon stattgefunden, als Spenden kamen bislang rund 2000 Euro für den SO36-Umbau zusammen. „Die Entscheidung, das Café dorthin zu verlegen, fiel sehr kurzfristig“, erzählt Monique Berger, die das Café veranstaltet – die gesammelten Eintrittsgelder gehen als Spende ans SO36. „Das ist super nett“, sagt Monique Berger, trotzdem freut sie sich, wenn die Party wieder an ihrem Stammplatz in der Oranienstraße 190 zurückkehren kann. „Im SchwuZ haben wir zwar zwei Tanzflächen, von denen die größere aber nur etwa ein Fünftel von der im SO36 ausmacht. Und die zweite hat nur einen Betonfußboden.“ Und das, so Monique Berger, ist für die Tanzfans leider nicht ideal.

Als weitere SO-Party ist auch Electric Ballroom umgezogen – in den Tresor. Und auch das Kiez-Bingo hat sich am Soli-Reigen beteiligt – mit einem Sonder-Bingo im Freilichtkino Bethanien.

Nächste Soli-Party: 8. August ab 12 Uhr im Rauch-Haus, Mariannenplatz 1. Erst gibt’s ein Konzert mit The Restarts, anschließend Party mit DJ Thomi Pop. Eintritt: drei Euro.

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