Berlin : Souvenirs der Preisträger

Kindliche Ausgelassenheit bei Bären-Dinner im „Borchardt“

Elisabeth Binder

Was tun denn die Berlinale-Preisträger, wenn wirklich alles vorbei ist? Sie liegen sich tief in der Nacht beim Bären-Dinner im Restaurant „Borchardt“ in den Armen – und machen Erinnerungsfotos.

Das Team um Li Yang, das für „Blinder Schacht“ ausgezeichnet wurde, baute sich zu einer kleinen Pyramide auf, um ein eigenes Souvenir von diesem denkwürdigen Tag mitzunehmen. Auch auf dem Tisch der in fast kindlicher Ausgelassenheit feiernden Crew von „Madame Brouette“ liegen kleine Kameras. Wie sagte der „Beste Darsteller“ Sam Rockwell bei der Verleihung: „Solche Dinge sollten nicht zählen, aber sie tun es doch.“ Während andere ihre Gabeln tief im Rucola-Artischockensalat vergraben, streichelt der senegalesische Regisseur Moussa Sene Absa immer wieder den Silbernen Bären. Welch eine Ehre für Afrika, welch wunderbare, wunderbare Auszeichnung. So überbordende Freude ist fast rührender als die offiziellen Danksagungen. Die trieben den von Lob überschütteten Festival-Chef Dieter Kosslick dazu, sich bei der Verleihung im Berlinale-Palast zwischendurch mal kurz hinter dem Bären-Pult zu verstecken. Bei der nächtlichen Party wurde er dann fast unentwegt umarmt und geherzt wie ein sehr geliebtes Kuscheltier. Regisseur Spike Jonze lobte den Berlinale-Palast selbst und schwärmte, wie toll es war, „Adaption“ gerade dort zu zeigen. Während er im offenen weißen Hemd weit nach Mitternacht dem Borchardt-Ausgang schon gefährlich nahe kam, war er selbst umschwärmt von jungen Talenten. Verstohlene Blicke gab es auch für Daniel Day-Lewis. Der widmete sich ganz hinten an einer langen Tafel eher unauffällig seinem Salat und zeigte in seiner schmalen, feinen Erscheinung so gar keine Ähnlichkeit mit dem blutigen Schlächter, den er in „Gangs of New York“ gerade drei Stunden lang auf der Leinwand verkörpert hatte.

Schöner hätten sie es schon gefunden, wenn sie auch gewonnen hätten, gaben die Hauptdarsteller von „Ersatzteile“ beim Dessert zu. Dann trösteten sie sich rasch mit dem Gedanken an neue Projekte. Der slowenische Schauspieler Peter Musevski hält viel von alltäglichen Menschen mit alltäglichen Problemen. Deren Stunde schlägt, nachdem die letzte Berlinale-Nacht verdämmert ist, und die Magie des Kinos sich wieder ganz auf die Leinwand zurückzieht.

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