Souvenirs in Stücken : Wie echt sind Berlins Mauerstücke?

Wo die Mauer herkommt? „Weiß ich nicht“, sagt der Straßenhändler am Checkpoint Charlie. Sein Lieferant habe damals, als die Mauer fiel, „eben ’ne ganze Menge retten können“. Anonym will der Mann bleiben.

Wie seine sechs Händlerkollegen vor Ort am ehemaligen Grenzübergang. Sie versuchen, die Touristen abzugreifen, die sich mit kostümierten US-Soldaten fotografieren lassen. Die Händler werden schnell misstrauisch, fragt man nach der Herkunft der vielen kleinen Mauerstücke, die sie an ihren Ständen anbieten. „Vor 20 Jahren war die Nachfrage groß. Da hat auch keiner gefragt, ob die Teile echt sind“, erzählt einer. Jetzt verkaufe er im Monat ein oder zwei Stück – natürlich Originale, wie er versichert.

Wagt man sich in eines der vielen Souvenirgeschäfte, ist das Angebot deutlich vielfältiger. Was man mit Beton alles machen kann! Es gibt Mauerstücke in jeder Größe, in jeder Form und alle sind sie bunt. Bei dieser Vielfalt muss auch Emilia Pfeiffer lachen. Die 22-Jährige wohnt seit einem halben Jahr in Berlin und hat den jüngsten Mauerfall am Freitag miterlebt. Sie stand vor der East Side Gallery und hat gegen den Abriss protestiert. „Ein trauriger Anblick war das, deshalb habe ich mir heute ein eigenes Mauerstück gekauft.“ Das, was am authentischsten ausgesehen habe und nicht ganz so bunt war, sagt sie augenzwinkernd. Die Echtheit ihrer fünf Euro teuren Mauer kann sie trotzdem nicht bezeugen. „Denn wenn die ganzen Stücke aus den Geschäften echt wären, dann könnten wir die Mauer dreimal wieder aufbauen.“ Naja, immerhin würde Berlin dann bunter werden. Yvonne Friedewald aus Mannheim fragt sich, was echt denn überhaupt sei: „Wenn Berliner Mauer draufsteht, kann doch jede Mauer aus der Hauptstadt damit gemeint sein.“

Genaue Unterschiede hebt eine Verkäuferin des Mauermuseums am Checkpoint Charlie hervor. „Wir verkaufen zwei Arten von Mauer.“ Einmal die, die einst die Stadt ist Ost und West trennte und dann halt noch irgendwelche Berliner Mauer. Letztere ist deutlich günstiger. Das Museum habe 1989 viele Fragmente gekauft und in eigene Lagerhallen verfrachtet. Indiz dafür: Sie tragen ein Siegel, das die Echtheit des „Fragments of the Berlin Wall“ bescheinigt. Und wer, bitteschön, stellt das aus? Das Museum. Nele Pasch

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