Berlin : Souvenirs statt Würstchen

Neuer Stand am Holocaust-Mahnmal muss auch weg

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Was ein Würstchenverkäufer nicht durfte, ist einem Souvenirhändler erlaubt. Vorläufig jedenfalls. Am HolocaustMahnmal hat ein Souvenirstand die umstrittene Würstchenbude abgelöst. Auch er wird nach Auskunft der bündnisgrünen Baustadträtin Dorothee Dubrau nur von kurzer Dauer sein. Der Stand sei der Umgebung „nicht angemessen“. Das ist auch die Ansicht der Mahnmal-Stiftung. Am Donnerstag will die Stadträtin mit dem Besitzer sprechen, um eine „gemeinsame Strategie“ zu finden. Es dürfe keinen Rummel geben.

Die Stadträtin denkt an ein „Gesamtkonzept“ auch für andere Verkaufsstände, etwa in Form von Pavillons. Darüber müsse man aber auch mit der privaten Grundstücksgesellschaft und der Stiftung sprechen. Eigentlich ist auf dem Gelände an der Cora-Berliner-Straße seit langem ein achtstöckiges Wohnhaus geplant, der Baubeginn ist ungewiss. Frau Dubrau will eine „adäquate Zwischenlösung“. Der Souvenirstand trägt dazu auch nicht bei. Seine flatternden Berlin-Fähnchen sind schon von weitem zu sehen. Verkauft werden Mauerpostkarten, Schweißbänder, T-Shirts und allerlei andere Andenken. Touristen stört’s nicht. Als der Händler seinen Stand am Donnerstag aufbaute, sah er noch, wie die Würstchenbude in Fachwerk-Optik nach kurzem Aufenthalt abtransportiert wurde. Es hatte Einwände sowohl der Mahnmal-Stiftung als auch der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gegeben.

Der Souvenirstand ist noch näher an die Gedenkstätte gerückt als die Wurstbude. Er bietet nicht die Illusion von deplatzierter Gemütlichkeit, ist sehr schlicht, ein Tresen mit Sonnenschirmen, ein paar Ständer. Ein bunter Kontrast zum grauen Mahnmal ist er schon. Die Verkäuferin will sich über das Geschäft in sensibler Umgebung nicht äußern, verweist auf den Chef, der gerade nicht da ist und sich auch später nicht sprechen lässt. C. v. L.

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