Sozialarbeit : Senat nimmt der Treberhilfe Aufträge weg

Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) sucht nach einem neuen Träger für die bislang von der Treberhilfe geführte Straßensozialarbeit und Obdachlosenberatung.

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Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) sucht nach einem neuen Träger für die bislang von der Treberhilfe geführte Straßensozialarbeit und Obdachlosenberatung. „Die Arbeit wird auf jeden Fall nahtlos weitergehen“, sagt eine Sprecherin. Es lägen bereits Bewerbungen anderer Träger vor. Für die genannten Projekte wurden der Treberhilfe Zuwendungen von jährlich 700 000 Euro gestrichen. Zur Begründung hatte die Sozialverwaltung erklärt, das gemeinnützige Unternehmen habe nach dem Skandal um den Maserati-Dienstwagen von Ex-Geschäftsführer Harald Ehlert nicht ausreichend zur Aufklärung und Offenlegung interner Vorgänge beigetragen.

In den betroffenen Projekten sind laut Treberhilfe 14 Mitarbeiter beschäftigt. Ob sie von einem anderen Träger übernommen werden, ist unklar. Da sie lange bei der Treberhilfe beschäftigt waren, hätten sie zumindest Anrecht auf längere Kündigungsfristen, sagte Treberhilfe-Geschäftsführer Frank Biskup. Dem finanziell angeschlagenen Unternehmen entstünden durch den Wegfall der Projekte keine weiteren Verluste. „Das sind Plus-minus-Null-Geschäfte.“ Die Treberhilfe habe die Projekte sogar aus eigenen Mitteln finanziell gestützt, im laufenden Jahr mit 75 000 Euro.

Der Imageschaden ist dagegen kaum zu beziffern. Straßensozialarbeit und Obdachlosenberatung gehören zu den Keimzellen, aus denen die Treberhilfe vor mehr als 20 Jahren entstand. Bislang hat das Unternehmen durch die Erschütterungen des Skandals „40 bis 50 Mitarbeiter“ verloren. Sie sind mitsamt ihren Projekten und teilweise auch Klienten zur „Neuen Chance“ gewechselt, einem von der Diakonie gegründeten Träger. Inzwischen sei der Exodus aber gestoppt, sagt Biskup. „Es sind alle weg, die weg wollten.“

Die graue Eminenz Harald Ehlert ist allerdings noch da. „Ich werde den nicht los“, sagt Biskup. Ehlert hält über einen Treuhänder 50 Prozent der Gesellschafteranteile und bewohnt eine Wohnung auf dem Treberhilfe-Anwesen in Caputh. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft. Parallel recherchieren die Finanzverwaltung und eine Kommission der Sozialverwaltung, ob öffentliche Gelder unter der Ägide Ehlerts zweckentfremdet wurden. Ein erster Bericht der Kommission soll „im Herbst“ vorliegen. Thomas Loy

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