Soziale Netzwerke an Schulen : Datenschützer will Berlins Lehrern Facebook verbieten

Mehrere Bundesländer wollen den Einsatz von sozialen Medien an Schulen einschränken. Dafür plädiert nun auch Berlins Datenschutzbeauftragter Alexander Dix. Er will Pädagogen die dienstliche Nutzung von Facebook untersagen - und seine Pläne reichen sogar noch weiter.

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Geht es nach Alexander Dix, ist Facebook für Berlins Lehrer im Dienst bald tabu.
Geht es nach Alexander Dix, ist Facebook für Berlins Lehrer im Dienst bald tabu.Foto: afp

Die Fotos der letzten Klassenreise teilt man auf Facebook, und im Gruppenchat wird die nächste Projektwoche organisiert: Der Umgang mit elektronischen Medien und sozialen Netzwerken ist nicht nur für Schüler selbstverständlich, sondern auch für immer mehr Lehrer. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix will das ändern. Er will Lehrern die dienstliche Nutzung sozialer Medien wie Facebook oder Twitter untersagen. Selbst E-Mails sieht er kritisch, wenn sie nicht verschlüsselt sind.

In Baden-Württemberg hat das Kultusministerium bereits eine Handlungsempfehlung für Lehrer herausgegeben, nach der „jegliche dienstliche Kommunikation auf oder mittels sozialen Netzwerken sowohl zwischen Lehrkräften und Schülern als auch der Lehrkräfte untereinander unzulässig ist“. Darunter fallen Chats und Mails auf sozialen Netzwerken, Terminvereinbarungen und das Einrichten von Arbeits- und Lerngruppen. „Ich begrüße das und werde mich dafür einsetzen, dass es auch in Berlin aufgegriffen wird“, sagte Dix dem Tagesspiegel. Angesichts der Abhörmethoden des US-Geheimdienstes NSA sei klar, dass selbst private Chats mitgelesen werden können. In Bayern und Schleswig-Holstein bestehen laut Nachrichtenagentur dpa bereits ähnliche Regelungen; andere Bundesländer seien dabei, Richtlinien zu erarbeiten.

Berlin wartet dagegen ab. „Wir vertrauen darauf, dass unsere Lehrer verantwortungsvoll mit diesen Medien umgehen“, sagte eine Sprecherin. Eine Reglementierung sei derzeit nicht geplant. Das Thema Medienkompetenz müsse jedoch in den Schulen aufgegriffen werden. Die Schüler müssten dafür sensibilisiert werden, welche Daten sie im Internet preisgeben und wie sie sich vor Cybermobbing schützen. Dazu sei es wichtig, dass die Lehrer auf dem Laufenden seien und sich mit den Netzwerken auskennen.

Aus Sicht des Berliner Datenschutzbeauftragten müssten Lehrer den Schülern beibringen, wie man E-Mails verschlüsselt. „Schulen könnten zum Beispiel eine Crypto-Party veranstalten“, sagte Dix. Damit sind Veranstaltungen gemeint, bei denen Experten Verschlüsselungstechniken für E-Mails oder für die Festplatte vermitteln. In Berlin werden Crypto-Partys unter anderem von Mitgliedern der Piratenpartei angeboten. Deren Bildungsexperte, Martin Delius, hält allerdings gar nichts von einem generellen Verbot. „Dadurch verschwindet Facebook ja nicht aus dem Leben von Lehrern und Schülern“, sagte der Piratenpolitiker. „Wir müssen aber anfangen, in den Schulen aufzuklären“. Medienpädagogik müsse Teil der Lehrerausbildung werden.

Auch Landeselternsprecherin Lieselotte Stockhausen-Döring findet ein Verbot nicht sinnvoll. Die Klasse ihrer Tochter habe etwa eine Schulreise zusammen mit den Lehrern über eine Facebook- Gruppe organisiert. „Das schien die einfachste Lösung zu sein.“ Von einem rät sie Lehrern ab: auf Facebook Freundschaftsanfragen an Schüler zu stellen. „Das ist vielen Jugendlichen genauso unangenehm, wie wenn sie eine Anfrage von ihren Eltern bekommen“. Sylvia Vogt

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