Soziale Projekte : Frauenhilfsverein prüft Klage gegen Schwarzer

Beim Rechtsstreit mit Emma-Chefredakteurin Alice Schwarzer geht der Frauennothilfeverein "Hatun & Can" in die Offensive. Der Verein verteidigt die Anschaffung eines teuren Wagens.

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Der Anwalt des Vereins, Hubert Dreyling, hat jetzt beim Amtsgericht ein Beschwerdeverfahren gegen die Beschlagnahme des Vereinsfahrzeugs und der rund 410 000 Euro Spenden der RTL-Stiftung e.V. eingelegt. Zudem prüft Dreyling „strafrechtliche und zivilrechtliche Schritte“ gegen Frauenrechtlerin Schwarzer. „Ihre Vorwürfe sind juristisch absurd und die Strafanzeige ein katastrophaler Fehler. Schwarzer handelt heuchlerisch und wichtigtuerisch“, behauptet Dreyling. Wenn in der Zeit, in der der Verein jetzt eingeschränkt handlungsfähig sei, vergeblich hilfesuchenden Migrantinnen etwas zustoße, prüfe er weitere Schritte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit, ob die Ehrenamtlichen von „Hatun & Can“ betrügerisch agierten, also etwa Alice Schwarzer vor der Spende in Höhe von 500 000 Euro die geplante Verwendung der Gelder und die Vereinsarbeit falsch schilderten. Zudem wird geprüft, ob Untreue vorliegt, ob also etwa Gelder nicht sachgemäß verwaltet wurden.

Nach Angaben des Anwalts Dreyling habe Schwarzer Anzeige erstattet, nachdem sie davon erfahren habe, dass innerhalb kurzer Zeit aus den von der RTL-Stiftung überwiesenen 500 000 Euro 411 000 Euro geworden waren. Laut Dreyling wurde aber die Frauennothilfe – wie Belege beweisen würden – finanziert sowie mit gut 60 000 Euro der „sparsame, sichere und langlebige Turbodiesel-Wagen“. Rund 70 000 Kilometer leisten die Fahrer jährlich, Vereinschef Andreas Becker selbst hat keinen Führerschein. Der Anzeige gingen auch Differenzen zwischen Schwarzer und Becker voraus. Wie berichtet hatte sie nach einem Treffen den Eindruck, die Ehrenamtlichen seien nicht genügend qualifiziert. Sie wollte die Spende teilen und 250 000 Euro anderen Vereinen überlassen. „Hatun & Can“ war nicht einverstanden. Becker zufolge verlangte Schwarzer persönliche Daten der ehrenamtlichen Migrantinnen, die er aus Personenschutzgründen nicht herausgab.

Die Zeitschrift „Emma“ hatte im Herbst 2008 über die unkonventionelle Arbeitsweise des Vereins berichtet. Er leistet oft in Kooperation mit der Polizei Hilfe im Notfall, wo Behördenmühlen womöglich zu langsam mahlen, bringt Frauen innerhalb von Stunden und Tagen aus Gewalt-, Tötungs- oder Zwangsehenandrohungen, besorgt Wohnungen und Jobs, teils im Ausland, vermittelt ins Frauenhaus oder zum Traumatherapeuten. Laut Becker gibt es in diesen Tagen ein halbes Dutzend Hilfeersuchen. Die Ehrenamtlichen haben in den vergangenen vier Jahren tausenden betroffenen Mädchen, Müttern, Kindern und Angehörigen geholfen. Das waren auch Kinder eines hochrangigen Politikers, eine Rettungsflugfirma bat „Hatun & Can“ ebenso um Hilfe. Ende 2009 zeichnete das Saarland den Verein für „herausragendes Engagement gegen Menschenrechtsverletzungen an Frauen“ aus. Ein DZI-Spendensiegel hat der Verein bislang nicht beantragt – statt die dreistellige Gebühr zu zahlen, wolle man das Geld lieber den Frauen zugute kommen lassen.

Der Integrationsbeauftragte Günter Piening und einige Frauenhilfsexpertinnen kritisieren am Verein, dass Becker und die Migrantinnen keine ausgebildeten Fachkräfte seien und nicht über ausreichende Kompetenzen verfügen. Annette Kögel

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