Soziales Engagement : Fast jeder dritte Berliner in Ehrenamt

Sie bekommen kein Geld, opfern ihre Freizeit und erhalten nicht immer Anerkennung für das, was sie tun. Aber ohne sie geht eigentlich nichts. Zum Internationalen Tag des Ehrenamts stellen wir drei verdiente Berliner vor.

Matthias Jekosch

Fast ein Drittel aller Berliner über 14 Jahren engagiert sich ehrenamtlich. Unter den deutschen Großstädten ist die Hauptstadt damit eine der engagiertesten. Der Senat sieht diese Entwicklung gerne und versucht, sie zu unterstützen. „Wir wollen eine Anerkennungskultur fördern“, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Am heutigen Internationalen Tag des Ehrenamtes verleiht Senatorin Heidi Knake-Werner zusammen mit der Beauftragten für das bürgerschaftliche Engagement, Monika Helbig, beispielsweise die Ehrennadel für besonderes soziales Engagement an 14 Berliner. Jeder Berliner, der eine Mindestanzahl an Stunden ehrenamtlich tätig ist, kann außerdem den Freiwilligenpass beantragen, in dem sein Engagement bescheinigt wird. „Dieser Pass berechtigt sie, stolz zu sein auf das, was sie tun, und hat außerdem auch einen praktischen Nutzen, zum Beispiel bei Bewerbungen“, so die Senatssprecherin. Der Senat fördert auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (Lagfa), die in über 300 Einrichtungen vermitteln kann. „Wir helfen Leuten, die sich engagieren wollen, sich zu orientieren“, sagte Geschäftsführerin Carola Schaaf-Derichs.

Jutta Schauer-Oldenburg

So weit geht bürgerschaftliches Engagement selten. Ende der 90er Jahre ging Schauer-Oldenburg für 14 Tage in den Hungerstreik. Damit wollte sie das Krankenhaus Moabit retten, das schließlich 2001 doch geschlossen wurde. „Damals habe ich gelernt, wie widersinnig politische Beschlüsse oft sind“, sagt die heute 69-jährige. Auch wenn es nicht zum glücklichen Ende kam, wurde sie dafür 2000 als erste Preisträgerin mit dem Klara-Franke-Preis für Bürgerengagement in Berlin-Moabit ausgezeichnet. Die Rentnerin engagiert sich in vielen Bereichen. Sie spendet für die Dritte Welt, hat immer 50-Cent-Stücke für die Verkäufer von Obdachlosenzeitungen in der U-Bahn dabei und stellt sich jeden ersten Samstag im Dezember an einen Stand in der Thusnelda-Allee an der Turmstraße, wo sie selbst gemachte Marmelade und Plätzchen verkauft. 427 Euro kamen an diesem Wochenende für die Kältehilfe zusammen. „Ich kann die Welt nicht verändern, aber ein bisschen kann ich hier was tun“, findet sie.

Maximilian Mille

Mit 17 Jahren stand er schon vor Grundschulklassen und hat sie jeweils für einen Tag betreut. Die Themen waren „Anderssein gewinnt“, „Kinder im Krieg“ oder „Mitbestimmung“. „Das ist eine Erfahrung, die man sonst nicht macht“, sagt der heute 20-Jährige. Mit 14 Jahren trat er den Falken bei, dem SPD-nahen Jugendverband. Regelmäßig nahm er an Weiterbildungen teil. „Das war sicher manchmal stressig“, sagt der Lichtenberger. „Aber in der Schule hätte ich solche Erfahrungen nicht mitbekommen.“ Aber seitdem lebte er in zwei Welten. Morgens ging er selbst zur Schule und abends engagierte er sich bei den Falken. Nur erzählt hat er davon selten, weil sein Engagement nicht immer Anerkennung hervorrief: „Ich hatte manchmal auch ein bisschen Angst, das zu erzählen“, sagt er. Dennoch ist er immer wieder gern zu den Falken gegangen. Auch wenn er derzeit kürzer treten muss, weil er sich für die Prüfung zum Musikstudium vorbereitet, betreut er immer noch etwa dreimal im Monat eine Jugendgruppe.

Melanie Böge

Sie ist 27 Jahre alt, das Studium der Publizistik ist abgeschlossen, nun will sie sich für das Berufsleben orientieren. Über ein Praktikum im Juli kam Böge in das Kreativhaus Mitte, ein theaterpädagogisches Zentrum, wo Jung und Alt zusammenkommen. Seit diesem Jahr nennt sich das Kreativhaus offiziell Mehrgenerationenhaus. „Ich finde es sinnvoll, solche Projekte zu unterstützen“, sagt sie. Sie bringt sich in die Öffentlichkeitsarbeit und in Projekte ein. Eines davon startet im Januar, nennt sich „Helden 2010“ und soll Schüler und ältere Menschen zum Austausch über die Helden der jeweiligen Generation bringen. Sie selbst sieht ihr Engagement als Chance. „Ich habe hier Möglichkeiten, Dinge auszuprobieren.“ Dafür opfert sie etwa 15 Stunden in der Woche, das wäre fast die Zeit eines Nebenjobs. Matthias Jekosch

Die Lagfa vermittelt Interessierte ins Ehrenamt. Tel.: 030/20 45 06 36

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