Berlin : Sozialhilfe: Zurück auf die Straße

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"Das soziale Elend wird in Reinickendorf direkt auf der Straße liegen", prophezeit Eva-Maria Heise, Sozialarbeiterin im einzigen Reinickendorfer Wohnungslosen-Treffpunkt. Die Tagesstätte in der Meteorstraße wird zum 1. April geschlossen, nachdem Sozialstadtrat Frank Balzer (CDU) der Einrichtung die 100 000 Euro jährliche Unterstützung gestrichen hat. Bis zu 50 bedürftige Männer und Frauen kommen an vier Tagen der Woche in die schlichten Container des Internationalen Bundes. Nicht alle seien körperlich in der Lage, Einrichtungen in anderen Bezirken zu besuchen, und viele hätten keine BVG-Karten, um dort hinzufahren, sagt Heise.

"Bekannt und beliebt" ist die in der Nähe des Kurt-Schumacher-Platzes gelegene Tagesstätte bei den 300 Wohnungslosen des Bezirks. Vor einem Jahr erhielt die vorbildliche Einrichtung aus der Tagesspiegel-Weihnachts-Aktion für Obdachlose eine Spende von 55 000 Mark. In der Meteorstraße bekommen die Armen nicht nur Essen und warme Getränke, sondern auch Sozialberatung. Sie können Duschen und Wäsche waschen - und mit den Sozialarbeiterinnen Radtouren machen oder ins Museum gehen.

Auf solche Angebote, durch die oft psychisch und alkoholkranke Wohnungslose wieder soziale Bindungen knüpfen und Zukunftsperspektiven entwickeln, hätten sie nach dem Bundessozialhilfegesetz einen Rechtsanspruch, sagt Eva-Maria Heise. Für Stadtrat Frank Balzer sind es lediglich "wünschenswerte Zusatzangebote", für die der Bezirk kein Geld mehr habe. Er sieht die Grundversorgung durch bezirkliche Wohnheime sichergestellt.

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