Sozialunternehmen : Sozialprojekte distanzieren sich von Treberhilfen-Chef

Viele Sozialprojekte arbeiten erfolgreich – doch einen Maserati als Dienstwagen finden die Chefs unpassend. Auch die Diakonie geht als Trägerorganisation auf Distanz zu dem Treberhilfen-Chef.

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Hat den Hut auf. Treberhilfe-Geschäftsführer Harald Ehlert. Foto: Thilo Rückeis

Wer im Sozialbereich tätig ist und Gutes tun möchte, hat meist keinen leichten Job: Öffentliche Zuwendungen für wichtige soziale Projekte wie Behinderten-, Obdachlosen- oder Suchthilfe werden jährlich knapper, der Kampf um die Mittel immer härter, und angesichts der eigenen unsicheren Finanzsituation geht die Spendenfreudigkeit vieler Menschen zurück. Um so schwerer wird es, erfolgreich einen Sozialbetrieb zu führen. Ist es da menschlich nicht verständlich, dass Harald Ehlert, erfolgreicher Chef der gemeinnützigen GmbH Treberhilfe, einen geleasten Maserati mit Chauffeur als Dienstwagen fährt? Immerhin schafft es der 46-Jährige, mit seinen zahlreichen Wohn- und Hilfeprojekten in Berlin über 12 Millionen Euro Umsatz im Jahr zu erwirtschaften und fünf Prozent Gewinn einzufahren.

„Nein, so ein Verhalten ist absolut nicht zu verstehen“, sagt Ulrich Letzsch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei der Suchtselbsthilfestiftung Synanon. „Wie kann ich jemandem, der mir gerade zehn Euro gespendet hat, erklären, dass ich danach in einen teuren Dienstwagen mit Chauffeur einsteige?“, fragt der 48-Jährige empört. Die Synanon-Fahrzeuge, die vor allem in den therapeutischen Zweckbetrieben wie Umzugs- und Cateringservice, Gartenbau und Hauswartung eingesetzt werden, würden stets gebraucht gekauft.

„Die meisten davon haben rund 350 000 Kilometer auf dem Buckel und werden von uns sorgfältig gepflegt, damit sie noch lange halten“, so Letzsch. Außerdem würden Fahrtenbücher geführt – ein Verfahren, dass für Ehlert nicht selbstverständlich ist: Der Treberhilfe-Chef will sich gegen die nach einem Verkehrsverstoß vom Berliner Verwaltungsgericht verordnete Auflage, ein Fahrtenbuch für den Maserati zu führen, in der kommenden Woche gerichtlich wehren.

Andere Vertreter gemeinnütziger Berliner Organisationen können Ehlerts Verhalten ebenfalls nicht nachvollziehen. So ist Oswald Menninger, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, überzeugt, dass die Qualität sozialer Arbeit nicht von dem Statusgehalt eines Dienstwagens abhängig ist: „Wir müssen zwar auch als soziale Organisation wirtschaftlich arbeiten, aber ein solches Auftreten schadet viel mehr, als dass es nützt“, so Menninger. Er selbst fährt keinen Dienstwagen und ist in Berlin nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder, wenn es terminlich mal eng wird, mit dem Taxi unterwegs. Mittlerweile gehörten zu den Aufgaben im Sozialbereich auch verstärkt Aktivitäten wie die Akquise neuer Investoren und die Lobbyarbeit. „Aber hier muss man wie überall sonst in der Wirtschaft vor allem mit Argumenten und guten Ideen überzeugen“, sagt Menninger.

Und auch Ekkehardt Bösel von der Caritas Berlin findet einen Maserati als Dienstwagen „gelinde gesagt ungünstig“. „Schließlich bekommen wir unsere Entgelte und Zuwendungen aus öffentlicher Hand und sind ihr in den Jahresbilanzen über jeden Cent Rechenschaft schuldig“, so der Regionalleiter.

Den größten Unmut hat sich Ehlert allerdings beim Vorstand des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg zugezogen, zu dessen 430 Mitgliedsorganisationen die Treberhilfe gehört. „Wir sind sehr unglücklich über diesen Sachverhalt“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Dane, „denn so entsteht ein völlig falsches Bild.“ Schwarze Zahlen seien zwar auch im Sozialbereich erstrebenswert, doch an erster Stelle müsse die Akzeptanz einer gemeinnützigen Organisation in der Öffentlichkeit stehen. Und die habe Ehlert trotz seines Engagements und der guten Arbeit vieler seiner Mitarbeiter leichtfertig aufs Spiel gesetzt. „Wir werden daher schnellstmöglich das Gespräch mit Ehlert suchen, um ein Umdenken in dieser Sache zu bewirken“, so Dane.

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