Sozialunternehmer : Treberhilfe bietet Maserati-Fahrten für alle

Der Chef der Hilfsorganisation, Harald Ehlert verzichtet auf den umstrittenen Dienstwagen und lässt damit künftig Berliner zu Sozialprojekten kutschieren.

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Fotos: Thilo Rückeis, dpa/Kumm

Der wegen seines Dienstwagens in die Kritik geratene Chef der sozialen Organisation Treberhilfe, Harald Ehlert, zieht Konsequenzen. Er werde sich nicht länger mit dem Maserati, den die gemeinnützige Gesellschaft auf seine Veranlassung angeschafft hatte, zu Hilfsprojekten chauffieren lassen. Der Sportwagen mit einem Listenpreis von 114 000 Euro soll nun als „Transparenz-Mobil eigenes Geld verdienen“, sagte er, und Touristen oder Berliner zu den Sozialprojekten der Treberhilfe befördern – „gegen Entgelt“.

Auch kündigte Ehlert an, von nun an jedes Jahr die wirtschaftlichen Ergebnisse der Treberhilfe öffentlich zu machen. Damit reagierte er auf die klaren Worte von Diakonie-Vorstand Thomas Dane. Dieser hatte vor Ehlerts Stellungnahme am Montag „vollständige Transparenz“ von der Treberhilfe eingefordert. Die Einrichtung, deren Mitarbeiter große Freude am Fahren haben, gehört zum Diakonischen Werk und führt auch mehrere Geländewagen von BMW im Fuhrpark.

Ehlert stellte die Anschaffung des Maserati Quattroporte als „Provokation“ dar und nannte ihn „Sozialmaserati“. Auf ungläubige Nachfragen räumte er ein, dass er mit diesem Fahrzeugtyp auch seine „Kraftfahrleidenschaft“ ausleben wollte. Wie hoch die Leasing-Raten für den Wagen sind, sagte er nicht. Der Verein habe aber wegen seiner Gemeinnützigkeit besonders günstige Zinskonditionen erhalten. Außerdem sei ihm ein Rabatt in Höhe von 20 Prozent auf den Listenpreis eingeräumt worden. Die Treberhilfe besitze ferner zwei X3-Geländewagen, mehrere BMW der Kompaktklasse sowie Mitsubishi-Transporter „für Umzüge bei Projekten Betreutes Wohnen“.

„Als Dienstwagen von Ehlert ist der Maserati aber keine gute Idee in Hinblick auf die Spendenbereitschaft“, räumte der „Sozialunternehmer“ ein, wie er sich selbst nennt. Er betonte zugleich, dass keine Spendengelder in den Betrieb des Luxusautos geflossen seien – sondern „Entgelte für Leistungen“. Die Treberhilfe wird etwa von den Bezirken für ihre Arbeit mit wohnungslosen Jugendlichen bezahlt. „Wie ein Arzt beziehen wir Geld für diese Leistungen“, sagte Ehlert. Es sei ein Missverständnis, dass die Mitarbeiter von Sozialeinrichtungen „in Schutt und Asche“ gehen müssten. Das „Gute muss zum Schönen finden“, so Ehlert. Deshalb sollten auch seine Mitarbeiter ähnlich schöne Fahrzeuge fahren wie etwa Angestellte von Wohnungsunternehmen.

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Als „Sozialunternehmer“ sei er ein „Exot“ in der Branche, räumte Ehlert ein. Er könne zwar Eigentum bilden, dieses werde aber bewusst nur für gemeinnützige Aufgaben eingesetzt. Die Hälfte der gemeinnützigen Gesellschaft Treberhilfe gehört Ehlert persönlich, der dort zugleich als „geschäftsführender Gesellschafter“ die Weichen stellt. Die andere Hälfte der Treberhilfe sei im Besitz des gleichnamigen Vereins, der vom Vorstand vertreten werde. „Keiner kann alleine regieren“, erklärte Ehlert.

Der „Sozialunternehmer“ versicherte, dass die Anschaffung des Maseratis durch ein „externes Gutachten geprüft“ worden sei. Außerdem sei die Finanzierung des Fahrzeugs und seine Zugehörigkeit zum „gemeinnützigen Vermögen“ der Treberhilfe im Jahresabschluss von Wirtschaftsprüfern bestätigt worden. Ehlert zufolge sei der Luxuswagen auch als „angemessen“ bewertet worden für den Chef einer Firma dieser Größe.

Ehlert begreift sich und seine Firma als Wirtschaftsunternehmen wie jedes andere. Und „die Treberhilfe ist nichts für Weicheier“, sagte er. 280 Mitarbeiter arbeiteten hart „mit Menschen, mit denen andere nichts mehr zu tun haben wollen“. In dieser Branche gehe es nicht um ein paar Euro, sondern um 190 Milliarden Euro. So groß ist Ehlert zufolge der Kuchen, der auf soziale Dienstleistungen entfällt. „Das ist ein Leistungsbereich und keine Bakschisch-Bude.“

Dem Chef der Treberhilfe zufolge wurden noch keine Rücktrittsforderungen gegen ihn laut. Wer den Maserati in Zukunft chauffieren darf, darüber gibt von nun an ein Fahrtenbuch Auskunft: Diese behördliche Auflage besteht, seitdem der Wagen im Juni letzten Jahres in Mecklenburg-Vorpommern geblitzt wurde – und bei der Treberhilfe niemand angeben konnte, wer eigentlich am Steuer saß.

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