Berlin : Sozialverbände planen mehr als 5000 Ein-Euro-Jobs

Gefördert werden die Arbeitsplätze nur, wenn sie keine regulären Stellen verdrängen

Sigrid Kneist

Senat und Wohlfahrtsverbände wollen strikt darauf achten, dass die geplanten Ein-Euro-Jobs keine regulären Arbeitsplätze verdrängen. Der Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Christoph Lang, sagte, die Beschäftigungen würden darauf überprüft, ob sie, wie vorgeschrieben, zusätzlich und gemeinnützig sind. Das werde auch in Abstimmung mit den Kammern und Unternehmensverbänden geschehen. Auch das Diakonische Werk hält ein Anerkennungsverfahren für die Jobs für nötig. Diakonie-Vorstandsmitglied Thomas Dahne sagte, die Prüfung könnten die Wohlfahrtsverbände selber übernehmen. Man verfüge über Erfahrungen beispielsweise aus dem Bereich des Zivildienstes.

Die Arbeitsagenturen stellen für die Jobs bis zu 500 Euro im Monat zur Verfügung, davon machen knapp 200 Euro den Lohn aus. Von den übrigen bis zu 300 Euro sollen unter anderem Qualifizierungsmaßnahmen bezahlt werden. Nach den Vorstellungen der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit sollen die Jobs in der Regel nicht länger dauern als sechs Monate, im Einzelfall auch neun Monate. Diesen Zeitraum halten die Wohlfahrtsverbände Fall für zu kurz. „Wenn man die Menschen qualifizieren will, braucht man ein Jahr“, heißt es bei der Diakonie. Diese Dauer ist laut Gesetz möglich, die örtlichen Arbeitsagenturen haben aber einen Gestaltungsspielraum.

Auch wenn viele Fragen noch ungeklärt sind, will die größte Organisation, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPW) rund 3000 dieser Jobs schaffen. Im Diakonischen Werk hält man 1500 bis 2000 Ein-Euro-Jobs in Berlin und Brandenburg für möglich. Die Caritas im Erzbistum hatte bereits angekündigt, einige hundert Jobs bereitzustellen.

„Wir können uns viele zusätzliche Einsatzmöglichkeiten vorstellen“, sagte DPW-Geschäftsführer Oswald Menninger. Denkbar seien etwa weiter gehende Angebote in der Pflege alter oder kranker Menschen. Parallel zu der Beschäftigung könne dann eine Qualifizierung zum Pflegehelfer stattfinden. „Das Ziel muss der Weg in den ersten Arbeitsmarkt sein“, sagte Menninger.

Die Tätigkeiten sollen es Beziehern von Arbeitslosengeld II ermöglichen, zu einem Stundenlohn von ein bis zwei Euro zu arbeiten, ohne dass das Arbeitslosengeld gekürzt wird. Mehr als 30 Stunden in der Woche dürfen die Jobs nicht umfassen. In den nächsten zwei Monaten will der Senat Eckpunkte für ein kommunales Beschäftigungsprogramm vorlegen. In dem soll festgelegt werden, in welchen Bereichen die Ein-Euro-Jobs entstehen sollen, und welche Zielgruppen unter den Langzeitarbeitslosen vorrangig dort beschäftigt werden sollen. „Außerdem will der Senat dabei prüfen, wo er Projekte mitfinanzieren will“, sagte Lang. Allerdings sei noch unklar in welcher Höhe.

Nach Angaben der AWO soll jeder zweite junge Arbeitslose unter 25 Jahren in einem Ein-Euro-Job unterkommen. Insgesamt wird in Berlin für das kommende Jahr mit rund 270 000 Empfängern von Arbeitslosengeld II gerechnet.

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