Sozialwissenschaft : Erforscher des Engagements

Rupert Graf Strachwitz gründete das Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft - und plant eine neues „Leuchtturmprojekt“.

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Rupert Graf Strachwitz.
Rupert Graf Strachwitz.

Vielen ist das gar nicht bewusst. Seit einem Vierteljahrhundert steigt die Bedeutung der Zivilgesellschaft nicht nur als Dienstleister für gute Taten an benachteiligten und schwachen Mitgliedern an. Auch ihre Rolle als Themenanwältin wird immer bedeutsamer. Rupert Graf Strachwitz beschäftigt dieses Thema fast ebenso lange.

Der Sohn einer Engländerin und eines Schlesiers war sieben Jahre lang in der Weltzentrale der Malteser in Rom tätig, bevor er als Verwalter der Nachfahren des letzten bayerischen Königs auf Schloss Nymphenburg „das schönste Arbeitszimmer, dass man sich vorstellen kann“ bezog. Den Maltesern blieb er treu als Ehrenamtlicher, engagierte sich an führender Stelle auch für die Caritas. 1989 gründete er eine philanthropische Beratungsfirma für den gemeinnützigen Bereich. Heute leitet der 65-Jährige das von ihm gegründete Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft an der Humboldt-Universität. Es fördert unter anderem ein Forschungskollegium für junge Wissenschaftler, die ihre Abschlussarbeiten über die Zivilgesellschaft verfassen. So konnte er ein umfangreiches Archiv zu diesem Fachgebiet anlegen.

Doch seine Visionen reichen weiter. Ein „Zentrum für Zivilgesellschaftsforschung“ wäre ein Leuchtturmprojekt für Berlin. Seit zwei Jahren spricht er darüber mit anderen Experten und bekommt „gute Resonanz, auch aus der Politik“.

Die rund 100 Teilnehmer, die das Forschungskollegium in seinem Institut seit dem Jahr 2000 zählte, sind für ihn Beweis dafür, dass ein großes Interesse gebremst wird, weil die Angebote nicht ausreichen. Forschungsrückstände sieht er größer werden, je mehr das Thema an Bedeutung gewinnt. Forschungen über Engagement und Partizipation würden immer wichtiger. Auch Gesetzgebung bewegt ihn. Dass eine gemeinnützige Organisation, die im Verfassungsschutzbericht auftaucht, nur deshalb ihre Gemeinnützigkeit verliert, ärgert ihn sehr, da „Manipulation und Denunziation dadurch Tür und Tor geöffnet werden“. Bislang lag die Beweislast beim Verfassungsschutz.

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