Berlin : "Space Club": Mit dem Turbolift in die Mondgrotte

Steffi Bey

Was bei Tageslicht wie wilde Kleckserei anmutet, verwandelt sich im Dunkeln in einen Sternenhimmel. Aus winzigen Punkten und Tupfern, die anscheinend willkürlich eine Wand zieren, werden plötzlich bekannte Tierkreiszeichen. Wie in einem richtigen Planetarium tauchen die Himmelskörper auf. Dünne Linien verdeutlichen zusätzlich die Bewegungen der Planeten. Die Illusion ist perfekt.

Dafür hat Gerhard Janke aber auch lange gearbeitet. Wochenlang studierte der Vorsitzende des Marzahner "Space Clubs" Karten. Er berechnete Abstände und Winkel, bis er den Blick auf den nördlichen Sternenhimmel maßstabsgerecht zeichnen konnte. "Genau so standen die Sterne am 25. September 1999, dem Tag, als die erste United Space Parade stattfand", erzählt der 50-Jährige stolz den Besuchern der Freizeiteinrichtung "Pappelhof".

In der oberen Etage erinnert nichts mehr an die Aufenthaltsräume einer ehemaligen Kindertagesstätte. Wo früher Mädchen und Jungen gespielt, geschlafen oder gegessen haben, ist inzwischen eine Mondbasis entstanden. Es gibt eine Kommandozentrale mit mehreren Computerarbeitsplätzen und einen Turbolift, mit dem man ein Höhlengewölbe erreichen kann. Dort sind die Wände grob strukturiert, und von der Decke hängen lange Stalaktiten. Wer dieses Gewölbe verlässt, gelangt in ein angedocktes Shuttle. Unter Jankes Anleitung haben Jugendliche eine Wand so verändert, dass der Eindruck entsteht, man blickt durch die Scheibe eines Raumschiffes. Mit Hilfe eines Joystick kann es fortbewegt werden. Spätestens im April soll dieser Bereich fertig sein.

Auch an der Mondlandschaft, die durch eine Luke zu erreichen ist, wird noch gearbeitet. Das so genannte "Meer der Stille" mit mehreren Kratern, gibt es aber schon als Modell. Dargestellt wird die Stelle, auf der Neil Armstrong vor 32 Jahren auf dem Mond landete. Das Modell gehört zu den ungefähr 50 verschiedenen, die Gerhard Janke bisher in seinem Leben baute. Genau wie die anderen, zu denen das berühmte Raumschiff "Orion" aus der gleichnamigen Fernsehserie oder die Trägerrakete "Ariane 5" gehören, bastelt der Hellersdorfer ausschließlich nach eigenen Vorlagen. "Bastelbögen mag ich nicht", sagt der Hobbyastrologe, der von Beruf Maler und Lackierer ist. Das Vorgefertigte sei ihm zu einfach. Er brauche die Herausforderung. Und deshalb sind seine Objekte immer maßstabsgetreu. Dafür erntete er auch schon Anerkennung von Wissenschaftlern, die gelegentlich den Space Club besuchen.

Janke will mit seiner ehrenamtlichen Arbeit Brücken zwischen Vision und Realität schlagen. Und wenn ihn doch mal jemand als "Spinner" bezeichnet, macht ihm das nichts aus. "Fasziniert hat mich das Weltall schon als Kind", erzählt er. Schon damals beobachtete er stundenlang den Sternenhimmel. Mit seinem Teleskop, das 400-fach vergrößert, macht er das auch heute noch gern. Und er träumt immer noch davon, einmal auf den Mond zu fliegen.

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