Berlin : Spätes Glück am See

Willkommen zu Hause: Andrang in der Liebermann-Villa am Wannsee

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„Hier soll der Birkenhain wiedererstehen“, erläutert Rolf Budde, Vorstand der Liebermann-Gesellschaft. Fünf Birken hat der private Verein schon neu gepflanzt – die Strünke der alten, quer über den Weg wachsenden Bäume wurden bei Grabungen gefunden. Bislang erinnert noch wenig an die berühmten Gartenarrangements, die Max Liebermann in immer neuen Varianten gemalt hat: Quer durch die Heckengärten verläuft ein Zugangsweg, den der benachbarte Ruderclub benötigt, der Bootssteg liegt an falscher Stelle und am Ufer lagern Findlinge, die der zuvor in dem Haus residierende Unterwasserclub aus dem See geborgen hatte. Nur ein Stück Weg und eine Blumenrabatte künden davon, dass hier für eine Million Euro eines der bewundertsten Gartenensembles Berlins wiedererstehen soll.

Von Liebermanns „Schloss am See“ ist die 1909 erbaute Villa derzeit weit entfernt: Erst im August räumte der Unterwasserclub sein langjähriges Domizil, zu mehr als einer notdürftigen Herrichtung reichte es nicht. Im Haus markieren Leintücher die Grundrisse von Liebermanns Atelier, das originalgetreu rekonstruiert werden soll. Im Garten zeigen Schautafeln die Bilder, die Liebermann von Haus und See malte – heitere Sommerbilder eines alternden Künstlers, der als Hobbygärtner ein spätes Glück am Wannsee fand, bis die Nationalsozialisten der Idylle ein Ende machten: 1935 starb der Maler, 1940 musste seine Witwe das Haus verkaufen. Die Villenkolonie wurde zum Wunschquartier führender Nationalsozialisten.

Wie sehr Liebermanns Alterssitz, der zwischenzeitlich auch als Krankenhaus genutzt wurde, den Berlinern am Herzen liegt, war bei der Wiedereröffnung zu erleben: „Ich kenne das Haus wie meine Westentasche. Ich habe hier als Krankenschwester im OP gearbeitet“, erzählt eine Besucherin. In Zukunft soll die Villa ein Liebermann-Museum werden. Das Jüdische Museum Berlin und die Akademie der Künste zeigten Interesse, sich zu beteiligen. Das Geld zur provisorischen Herrichtung hat die Liebermann-Gesellschaft aufgebracht. Noch werden viele Spenden benötigt, um die insgesamt 2,2 Millionen Euro Rekonstruktionskosten aufzubringen. Doch Rolf Budde ist sich sicher: „Wie man sieht, ist das Bürgerinteresse so groß, dass wir uns langfristig einfach durchsetzen müssen.“ Christina Tilmann

Bis 17. November 2002 jeweils Fr von 13 bis 18.30 Uhr, Sa/So von 11 bis 18.30 Uhr, Colomierstr. 3 in Berlin-Wannsee. Infos unter www.im-netz.de/liebermann

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