Berlin : Spandau: Eine Gemeinde kämpft um ihr Fenster

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Die Staakener mucken auf. Nachdem ihre Dorfkirche im damaligen Todesstreifen jahrzehntelang der Willkür der DDR-Obrigkeit ausgesetzt war, leergeräumt wurde und zu verfallen drohte, wollen sie sich jetzt vom Berliner Landesdenkmalamt nicht unterbuttern lassen. Der Streit ist um ein bei der Sanierung des Gotteshauses wiederentdecktes, gotisches Fenster im Ostgiebel entbrannt.

Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Fenster war im 19. Jahrhundert vermauert und durch zwei neue, seitliche Fenster ersetzt worden. Dies geschah, so vermutet Pfarrer Norbert Rauer, um eine nachträglich eingebaute Empore besser zu beleuchten. Nach dem Willen des Gemeindekirchenrates soll der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden. Der Architekt Carsten Westphal hat dafür ein Konzept geliefert. Das Schichtglas für den Sockel des aus einer Steinplatte bestehenden Altars soll sich in der Mitte des wieder geöffneten Mittelfensters fortsetzen und sowohl die natürliche Sichtachse wieder herstellen als auch den Durchbruch durch die Berliner Mauer symbolisieren.

Auch die Spandauer Bezirksverordneten haben sich für diese Variante ausgesprochen. Die beiden neueren Fenster sollen zugemauert werden, aber nach außen als Nischen erkennbar bleiben. "Die Kirche sollte im alten Stil erhalten bleiben", fordert Initiator Egon Ixmeier (CDU). Beim Landesdenkmalamt möchte man dagegen alles so belassen wie es ist, damit die zeitliche Abfolge der Bauepochen erkennbar bleibt, klagt Pfarrer Rauer. Die zuständige Sachbearbeiterin der Behörde befindet sich zur Zeit im Urlaub.

Matthias Hoffmann-Tauschwitz vom kirchlichen Bauamt sieht beim Denkmalamt "Fehler in der Bewertung der Ausmauerung", hält aber auch das liturgische Konzept der Gemeinde für noch nicht ausgereift. Die Sichtachse könne auch durch ein Kunstwerk wie ein Altarbild betont werden. Als Schlichter versucht er bisher vergeblich, die zerstrittenen Parteien zur Aussprache an einen Tisch zu bekommen. Den letzten Termin habe der Pfarrer ohne Begründung abgesagt.

"Warum will man hier an unserer gebeutelten Kirche ein Exempel statuieren?" fragt Norbert Rauer. Der Staakener Gemeindekirchenrat sei fest entschlossen, sich mit seiner Forderung durchzusetzen. Kommt es zu keiner Einigung mit den zuständigen Behörden, könne man der Gemeinde nur empfehlen, eine denkmalrechtliche Genehmigung zu beantragen und bei einer Ablehnung zu klagen, sagte Matthias Hoffmann-Tauschwitz weiter.

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