Spandau : Hofgang in der Zitadelle kostet jetzt Eintritt

Die Spandauer Zitadelle beherbergt zahlreiche Museen und Ausstellungen. Dafür zahlen Besucher schon immer Eintritt. Doch künftig müssen auch Besucher der Freiflächen den Geldbeutel zücken, ehe sie irgendetwas zu sehen bekommen.

Rainer W. During

Die Freiflächen der Spandauer Zitadelle sind ein Naherholungsgebiet. So steht es in einem Info-Blatt des Bezirksamtes. Doch auch wer nur zwischen den historischen Gemäuern spazieren möchte, wird ab Januar kräftig zur Kasse gebeten. Jährlich eine halbe Million Euro soll so zusätzlich eingenommen werden.

Bisher mussten nur Besucher des Stadtgeschichtlichen Museums, des Juliusturms und der Ausstellungen ein Eintrittsgeld von 2,50 (ermäßigt 1,50) Euro entrichten. Für Veranstaltungen wie das Burg- und Fledermausfest, die Silvesterparty und das sommerliche Citadel Music Festival wurden von den Veranstaltern gesonderte Eintrittsgelder erhoben.

Künftig werden zwischen 10 und 17 Uhr bereits beim Betreten der historischen Anlage 4,50 (ermäßigt 2,50) Euro kassiert. Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) erhofft sich Einnahmen vor allem von Touristen. Die Spandauer selbst würden ihre Burg außerhalb von Großveranstaltungen ohnehin kaum aufsuchen, meint der Kommunalpolitiker. Dagegen kämen jährlich an die 150 000 auswärtige Besucher auf die Zitadelle, und in keiner anderen Festung sei der Eintritt frei.

Als Zugangskontrolle wird neben dem heutigen Eingang eine „historisch gestaltete“ Schranke installiert, kündigt Hanke an. Den Kartenverkauf soll der von einer Fremdfirma gestellte Pförtner übernehmen, der Stadtrat rechnet mit rund 25 000 Euro an zusätzlichen Personalkosten pro Jahr.

Bisher bietet der Innenhof allerdings keine besondere Attraktion. Darüber hinaus wird die Zitadelle demnächst erneut zur Baustelle. 13 Millionen Euro aus EU- und Lottomitteln wurden bewilligt, um weitere Gebäude für die 2011 geplante Monumentalausstellung der Stiftung Neue Kultur, „Spurensuche – Deutschland und seine politischen Denkmäler“, herzurichten. Hanke denkt daran, die Baustelle bei Berlin-Besuchern als „Schaustelle“ zu vermarkten und möchte auch mehr für die touristische Vermarktung der Renaissancefestung tun. So soll ein Prospekt entstehen und in Hotels ausgelegt werden. Insider berichten indessen, dass manche Busreiseveranstalter die Zitadelle aus dem Berlin-Programm gestrichen haben, seit der Bezirk die Exklusivrechte für Führungen an einen Heimatverein vergeben hat.

Gäste der Zitadellenschänke sollen die Gaststätte vor 17 Uhr künftig über einen Nebeneingang erreichen. Gastwirt Gerd Ziegler erwartet, dass der Bezirk alles tun wird, um den Betrieb auch zukünftig nicht zu behindern. Schließlich zahlt er mit jährlich mehr als 100 000 Euro die höchste Miete aller Festungsnutzer und hat gerade erst kräftig in die Einrichtung eines zusätzlichen Biergartens investiert.

Die zahlreichen auf der Festung ansässigen Künstler wurden von Hanke vor vollendete Tatsachen gestellt und sind verunsichert. „Wir haben schon ein wenig Bauchschmerzen“, sagt Regina Wagner, die das Puppentheater auf der Zitadelle betreibt. Ihre Besucher sowie jeder andere, der eines der Ateliers als Ziel auf dem Gelände nennt, darf allerdings auch künftig kostenlos auf die Zitadelle, versichert der Stadtrat. Mit dem Verein BAT, der den Fledermauskeller betreut, verhandelt Hanke über ein Kombi-Ticket. Auch Schulklassen und Besucher der bezirkseigenen Jugendkunstschule haben weiter freien Eintritt.

Viele Künstler fürchten jedoch, dass die neuen Gebühren abschreckend auf Besucher wirken werden. So wie sie hat auch die SPD-Opposition Zweifel, dass die Eintrittsgelder in der erhofften Größenordnung fließen. Man halte es für angemessen, dass Touristen einen kleinen Obolus zahlen, so Fraktionschef Jens Julius. Die jetzt festgelegten Eintrittsgelder seien aber zu hoch. Gerhard Hanke will die besuchsschwachen Wintermonate nun als Testphase nutzen. Rainer W. During

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