Berlin : Spandau: "König Salomon" hält Hof

Rainer W. During

Auch neun Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit als Spandauer Bezirksbürgermeister ist Werner Salomon noch in jedermanns Sinn, eine Institution fast. Und diese Institution feiert heute als inoffizieller "König Salomon" seinen 75. Geburtstag, wozu er Hof hält auf der Zitadelle. Hier richten die Spandauer Sozialdemokraten ein große Geburtstagsparty für ihren Ehrenvorsitzenden aus, zu der viel Politprominenz erwartet wird.

In seinen 13 Jahren als Bürgermeister hat es Werner Salomon zu großer Popularität weit über die Grenzen des Bezirks hinaus gebracht. Als heimlicher "Außenminister" der "Republik Spandau" beriet er die Kairoer Stadtväter in kommunaler Verwaltung und scheute sich nicht, im Golfkrieg einen Solidaritätsbesuch in der israelischen Partnerstadt Ashdod zu machen. Noch zu Mauerzeiten schaffte er mit seiner Beharrlichkeit das politisch für undenkbar gehaltene Kunststück einer Partnerschaft mit der damaligen Kreisstadt Nauen. Und zur Wiedervereinigung Deutschlands gelang ihm die Rückgemeindung des nach alliiertem Gebietstausch 1951 in die DDR eingegliederten Weststaaken.

Seit 1992 ist Werner Salomon äußerst aktiv im Ruhestand: als ehrenamtlicher Vorsitzender des Arbeiter Samariter-Bundes in Nauen, der mit über 300 hauptamtlichen Mitarbeitern Rettungsdienst, Senioren- und Kinderheime im östlichen Havellandkreis betreibt, als Vorstandsmitglied der Arbeiterwohlfahrt seines Heimatsbezirks sowie im Partnerschaftsverein. Und als leidenschaftlicher Fußballfan ist der Ex-Bürgermeister auch Chef des 1. FC Spandau, der nach der Fusion mit dem SC Ruhleben in dieser Saison erfolgreich die Tabelle der Bezirksliga anführt. Da bleibt kaum noch Zeit für die Pflichten als Berliner Stadtältester, auf deren Terminen er viele Weggefährten trifft. Auch die Briefmarkensammlung und die Kollektion von Fahrzeugmodellen - insbesondere Straßenbahnen und Autobusse - wollen betreut und ergänzt werden.

Mit "einem lachenden und einem weinenden Auge" verfolgt Salomon, wie die rasante Entwicklung der Hauptstadt immer mehr auch auf den einstmals beschaulichen Randbezirk übergreift. Bei der Sicherung der Altstadt gegenüber dem neuen Shopping-Center am Fernbahnhof vermisst er "Kreativität und Einfallsreichtum". Und er bedauert, dass "ein Stück Menschlichkeit Auszug gehalten hat aus der Kommunalpolitik": "Wir haben uns früher auch in den Haaren gehabt, aber es blieb immer fair, und meistens sind wir noch ein Bier trinken gegangen", sagt der Ex-Bürgermeister. "Ich kann politisch anders Denkende nicht als Feind betrachten, das ist nicht mein Stil."

Nach dem offiziellen Empfang haben auch nicht geladene Gäste aus Spandau und dem Rest der Welt heute ab 12.30 Uhr Gelegenheit, Werner Salomon bei einem Fest auf dem Zitadellenhof zu gratulieren. Wie es seine Art ist, bittet der Jubilar darum, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen Geld für das "Wildwasser"-Projekt des Jugendclubs "Wildwuchs" zu spenden, für das noch zwei Kanus benötigt werden.

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