Berlin : Spandau setzt Paten für Spielplätze ein

Weil Geld für Flächen und Geräte fehlt, ist Engagement gefragt – und Kreativität Über 186 000 Quadratmeter hat die Fläche der Spielflächen in den vergangenen Jahren abgenommen

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Kinderparadies. Der Spielplatz am Ungewitterweg in Staaken. Foto: Schulze
Kinderparadies. Der Spielplatz am Ungewitterweg in Staaken. Foto: Schulze

Frau Klein ist gut beschäftigt an diesem Tag. Sie marschiert von einer Ecke zur anderen und wieder zurück. Bei einer Spielfläche, die etwa so groß ist wie drei Fußballfelder, kommt da ein schöner Weg zusammen. „Aber es macht ja Spaß“, sagt sie und wird auch schon wieder von Kindern umringt. „Frau Klein“, quengelt ein Mädchen hier, „Frau Klein“, ruft ein Junge von dort. Angelika Klein ist weder Kindergärtnerin noch Horterzieherin. Sie ist eher so etwas wie eine Patentante – für den Spielplatz am Ungewitterweg in Staaken, wo sie einmal im Jahr auch ein Kinderfest mit Zitronenhockey und Hexenbesenweitwurf organisiert.

Dass sich jeder so in die Aufgabe reinhängt wie Angelika Klein, ist im Spielplatz-Patenschaftsprogramm von Spandau gar nicht vorgesehen. „Es geht im Prinzip nur darum, dass Privatpersonen, Kitas, Schulhorte oder Vereine in der Nähe die Aufsicht über die Spielflächen übernehmen“, erklärt Baustadtrat Carsten-Michael Röding. Ein wenig ehrenamtliches Engagement soll dazu beitragen, dass die Spielflächen auch weiterhin gepflegt und sicher sind. Von 100 Spielplätzen funktionieren in Rödings Revier inzwischen etwa 30 auf diese Weise. Überhaupt macht Spandau den anderen Bezirken im Bereich Spielplätze vor, wie es gehen kann. Denn der stadtweite Trend sieht ja eher traurig aus: Um über 186 000 Quadratmeter hat die Fläche der Berliner Kinderspielplätze in den vergangenen vier Jahren abgenommen. Der durchschnittliche Versorgungsgrad wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung derzeit mit 58 Prozent angegeben. Zahlen wie diese stimmen Holger Hofmann, Referent für Spielraum beim Deutschen Kinderhilfswerk, „nachdenklich“. Senat und Bezirke müssten sich dringend beraten, wie man die Situation verbessern kann, sagt er. Auch Röding glaubt, dass Kindern und ihren Spielstätten die Lobby in der Politik fehlt. Und das, obwohl doch immer mehr Babys in der Stadt geboren werden. „Mehr Herzblut“ fordert der Baustadtrat von seinen Kollegen in anderen Bezirken, die manchmal schon ein bisschen neidisch gen Berliner Westen gucken.

Zwar liegt auch Spandau – wie jeder andere Bezirk – unter dem gewünschten Versorgungsgrad, dennoch hat er anders als die meisten anderen eine aufsteigende Tendenz und kreative Lösungsstrategien vorzuweisen. Während anderswo wegen fehlender Gelder Geräte nur selten repariert oder ersetzt werden, setzt man hier im Rahmen des seit vier Jahren bestehenden Projekts „Raum für Kinderträume“ auf Fremdhilfe. Sponsoring zum Beispiel. Mehr als 170 000 Euro sind nach Angaben des Bezirksamts so schon in den Ausbau und die Instandhaltung der Spielflächen geflossen. Viele Bezirke stünden dem Sponsoring skeptisch gegenüber, dabei „darf man sich das nicht so vorstellen, dass vor dem Spielplatz ein großes Schild steht: sponsored by Vattenfall“, sagt Spandaus Baustadtrat Röding. Mehr als ein paar Werbe-Aufkleber an den einzelnen Geräten verlangen die Gönner selten.

Neben den großen Unternehmen sind es jedoch vor allem die hilfsbereiten Spandauer, die gesucht werden. Offensiv geht die Verwaltung auf sie zu und versucht, Menschen für das Projekt zu begeistern. Menschen wie Angelika Klein. Weil ihr Vereinshäuschen vom Arbeitskreis Gartenstadt Staaken, in dem sich Klein engagiert, gleich um die Ecke des Spielplatzes am Ungewitterweg liegt, haben sie und viele andere Vereinsmitglieder sofort zugesagt. Seither kümmert sich der Arbeitskreis um den Fußballplatz, die Kletterkombinationen, die Schaukeln und die Buddelkästen auf dem Gelände, wobei kümmern relativ ist. Gefragt ist schlicht ein waches Auge und ein wenig Tatkraft. Entdeckt jemand ein Problem oder eine potenzielle Gefahrenstelle, ruft er bei der sogenannten Spielplatzhotline an. Ansonsten nehmen sie ab und zu an Säuberungsaktionen teil – mehr nicht. Wenn Frau Klein gerade kein Fest für die Kinder in der Umgebung organisiert, dann sind ihre Aufgaben als Spielplatzpatin überschaubar.

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