Spandau : Spurensuche im "Café Schimanski"

In Berlin-Spandau liegt die "Tatortstraße" - sie steht allerdings in keinem Stadtplan. Und das "Café Schimanski" hat auch noch nie einen zahlenden Gast. Denn in der Übungskneipe werden Berlins Polizisten ausgebildet.

Mirko Hertrich (ddp)

Das „Café Schimanski“ in der „Tatortstraße“ ist wohl noch nie von einem regulären Gast besucht worden. In der nach dem TV-Kommissar benannten Lokalität werden auch keine Krimis gedreht, zumal das Café nicht einmal in einer richtigen Straße liegt. Vielmehr dient die Bar der Ausbildung von Beamten und liegt im zweiten Stock eines Gebäudes der Berliner Polizei in der Spandauer Radelandstraße. Sie ist Teil einer der modernsten „Tatortstraßen“ Deutschlands, die seit Jahresbeginn in Betrieb ist.

In den 650 Quadratmeter großen Räumen wurden neben dem Café unter anderem ein Supermarkt, Kellerverschläge und eine Wohnung detailgetreu nachgebaut. Geübt werden an den insgesamt sieben „Tatörtlichkeiten“ die Sicherung von Spuren, das Auffinden von Verstecken oder die Befragung von Zeugen.

„Die Tatortstraße wurde sehr gut angenommen“, sagt der Fachbereichsleiter Verbrechensbekämpfung, Abteilung Aus- und Fortbildung, Siegfried Weller. In 120 unterschiedlichen Seminaren und Unterrichten wurden 1620 Beamte sowie Polizeischüler aus- und fortgebildet. Insgesamt 540 000 Euro hat die Behörde für die Ausstattung und den Ausbau der Einrichtung investiert. In den Räumen finden sich unter anderem 26 hochauflösende Kameras. Um den Beamten und Anwärtern etwa bei der Spurensuche im Dunkeln auf die Finger gucken zu können, wurden Infrarotkameras installiert. Durch die Kameras besteht nun die Möglichkeit, dass Polizeischüler Spuren sichern, die zuvor eigens mit beschlagnahmten Tatwerkzeugen gesetzt wurden. Die anderen Kursteilnehmer haben die Möglichkeit, den Vorgang auf einer großen Leinwand in einem separaten Raum mitzuverfolgen.

„Die Auflösung der Kameras ist so hoch, dass wir sogar einen Fingerabdruck an einer Scheibe heranzoomen können“, erläutert Weller. Hierdurch könne sichergestellt werden, dass die Übenden nichts übersehen würden. Wie in realen Einsätzen müssen die Beamten etwa im nachgebauten Keller in der Dunkelheit nur mit der Taschenlampe auf die Suche nach Spuren gehen.

Die insgesamt 13 Beamten des Fachbereichs sind nicht nur bei der Aus- und Weiterbildung mit Engagement dabei. Die Polizisten haben auch viel Eigenarbeit in den Ausbau der „Tatortstraße“ gesteckt. „Die meisten Möbelstücke sind Spenden von Kollegen“, erläutert Weller. Damit die Spurensuche etwa bei Autoaufbrüchen oder Unfällen simuliert werden kann, haben zehn Polizisten ein längs durchgeschnittenes Auto die Treppen hoch in den zweiten Stock getragen. Selbst eine Gartenlaube findet sich unter dem Dach von Haus 2. An ihr wird die Spurensicherung nach Einbrüchen geübt.

In der „Tatortstraße“ gibt es auch drei Lehrsäle. In einem laborähnlichen Übungsraum lernen etwa Polizeianwärter für den mittleren und gehobenen Dienst, wie Fingerabdrücke, DNA-Reste oder andere Spuren richtig gesichert werden. „Denn was nutzt die schönste Spur, wenn der Anwalt des Verdächtigen sie später wegen eines Fehlers bei der Aufnahme in der Luft zerreißt“, sagt Weller.

„Wir versuchen, die Ausbildung so praxisnah wie möglich zu gestalten“, fügt der Erste Kriminalhauptkommissar hinzu. Denn auf den Abschnitten würden die jungen Kollegen wegen der Personalknappheit nach dem langjährigen Einstellungsstopp meist sofort in den Einsatz geschickt, betont er. „Da sollen sie gleich richtig mitarbeiten können und nicht nur als ,Achsbeschwerer’ in den Streifenwagen mitfahren.“ Mirko Hertrich (ddp)

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben