Spandau : Wärme aus dem Tunnel

Vattenfall übergibt die Betonröhre unter der Havel. 50.000 Spandauer Wohnungen sind künftig am Heiznetz.

Rainer W. During
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Unter der Havel. Der Tunnel verläuft 20 Meter unter der Flusssohle. -Foto: During

Berlin - Berlins jüngster Tunnel wurde gestern auf den Namen der Rekordschwimmerin Margit Bohnhoff getauft. Das 110 Meter lange Bauwerk unterquert die Havel parallel zur Schulenburgbrücke und dient der Versorgung von bis 50.000 Spandauer Wohnungen mit Fernwärme. 58 Millionen Euro investiert Vattenfall Europa in den Ausbau des Berliner Netzes, des größten in Westeuropa.

Rund 5,1 Millionen Euro kostete allein der Tunnel. Die Röhre mit einem Innendurchmesser von 2,60 Metern besteht aus 38 in einem Werk bei Leipzig hergestellten, jeweils etwa 25 Tonnen schweren Stahlbetonelementen. Sie wurden nachts in Schwerlastkonvois nach Berlin transportiert und von einer Baugrube im Spandauer Südhafen aus in 20 Metern Tiefe unter die Havel gepresst. Während für den eigentlichen Tunnelbau nur eine Woche benötigt wurde, dauern die Vor- und Nacharbeiten rund ein Jahr und werden erst im Dezember beendet.

Namensgeberin Margit Bohnhoff wurde als Patin gewählt, weil sie in der Havel für ihre Rekorde trainiert. Die Mitarbeiterin des Spandauer Sozialamtes durchquerte 2007 den Ärmelkanal und plant für 2010, durch die Straße von Gibraltar von Spanien nach Marokko zu schwimmen. Gestern signierte sie im Tunnel eine Namenstafel und zerschnitt gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) und Dietrich Kunze, Vorstandsmitglied der Vattenfall Europa Wärme AG, unter der Havel ein Band. Jetzt werden die eigentlichen Fernwärmerohre im Tunnel verlegt. Er ist Teil einer 18,7 Kilometer langen Trasse, die vom Kraftwerk Reuter bis in Falkenhagener Feld und die Siedlungsgebiete nördlich der Heerstraße führen wird. Bürgermeister Birkholz betonte, dass damit die Wilhelmstadt als ältester Spandauer Ortsteil, der derzeit noch „mit Einzelbrandstellen übersät“ sei, „von alter Last befreit wird“.

615 000 Berliner Haushalte, das entspricht einem Anteil von 27 Prozent, werden bereits mit Fernwärme versorgt. Pro Wohnung bedeutet das gegenüber Gas- oder Ölheizung einen jährlich um eine Tonne reduzierten CO2-Ausstoß. Ab Oktober gehen die ersten Wohnungen ans Netz. Mit dem Endausbau soll die jährliche Schadstoffbelastung in Berlin bis 2015 um 48 000 Tonnen CO2 gesenkt werden, sagte Wolf-Dietrich Kunze. Rainer W. During

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