Berlin : Spandauer CNH-Werk soll auf Sparflamme arbeiten

Sozialplan sieht über 300 Kündigungen vor Nur 33 Arbeitsplätze will der Konzern erhalten

Werner van Bebber

Die 500 Mitarbeiter des Baumaschinenherstellers CNH haben keine große Hoffnung mehr auf die Erhaltung des Spandauer Werkes. Am Samstagabend sollten die Einzelheiten eines Sozialplanes bekannt gegeben werden. Der sieht vor, dass von den rund 500 Arbeitsplätzen in dem Werk ganze 33 bleiben sollen. Fest steht auch, dass 333 Beschäftigte entlassen werden sollen. Am Donnerstag könnte der Sozialplan unterzeichnet werden. Der Streik der CNH-Arbeiter soll so lange weiter gehen, bis der Sozialplan entschieden ist und die Mitarbeiter in einer Urabstimmung den Arbeitskampf beendet haben werden.

Dem Betriebsrat Thomas Jänicke zufolge gehört zu dem Sozialplan auch ein Ergänzungstarifvertrag. Der sieht vor, dass die entlassenen Mitarbeiter für ein Jahr in einer Qualifizierungsgesellschaft unterkommen. In dieser Zeit könnte ein neuer Investor für das CNH-Werk gefunden werden.

Derzeit gehört CNH zum Fiat-Konzern. Gegründet wurde die renommierte Baumaschinenfirma unter dem Namen Orenstein und Koppel im Jahr 1876. In Spandau fertigten die Mitarbeiter vor allem Radlader, Bagger und Straßenplaniermaschinen, so genannte Grader. Allein deren Produktion soll in Zukunft noch weitergehen.

Ende vergangenen Jahres waren die Schließungspläne bekannt geworden. Der Verlust von 500 Jobs bei CNH war die dritte schlechte Nachricht in kurzer Folge vom Berliner Arbeitsmarkt nach den angekündigten Entlassungen bei JVC in Reinickendorf und Samsung in Treptow-Köpenick.

Fiat begründete die Schließung damit, dass das Spandauer Werk nicht ausgelastet sei. Das bestreiten Mitarbeiter von CNH. Nach ihren und nach Gewerkschaftserkenntnissen nutzt der Fiat-Konzern die Gewinne aus der Baumaschinenproduktion, um die defizitäre Autoproduktion finanziell zu kräftigen. Bei der IG Metall heißt es auch, die italienischen Baumaschinenfabriken des Fiat-Konzerns seien nicht ausgelastet. Sie sollten Aufträge von CNH übernehmen – auf Kosten des Werkes in Spandau.

Ganz zu Ende gedacht sind die Schließungspläne offenbar noch nicht. So soll außer der Grader-Produktion auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung mitsamt dem Testgeländen in Spandau auf dem Werksgelände an der Staakener Straße bleiben. Umstritten ist, ob es sinnvoll wäre, in Spandau Maschinen zu entwickeln und sie in Italien zu produzieren.

Überdies würde der Senat vom Fiat-Konzern 70 Millionen Euro Subventionen zurückfordern, wenn das Spandauer Werk geschlossen wird. Der Senat hatte den Umzug der Maschinenproduktion vom Brunsbütteler Damm an die Staakener Straße unterstützt. CNH produziert auf einem in Erbpacht genutzten Gelände. Christoph Lang, der Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf, rechnet wegen der 70 Millionen mit weiteren Verhandlungen.

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