Spandauer Forst : Gedenkstein für ermordete Joggerin

Während ihr Mann sich noch aufwärmte, joggte die 40-jährige Kirsten S. voraus - und wurde ermordet. Ein Gedenkstein im Spandauer Forst erinnert nun an sie. Die Polizei bittet weiter um Hinweise auf Täter.

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Der Gedenkstein im Spandauer Forst. -Foto: Thilo Rückeis

Berlin„Was hat sie getan, dass sie sterben musste? Ich bin fassungslos und werde Dich nie vergessen. Dein Jochen.“ Die bewegenden Worte auf dem Gedenkstein im Spandauer Forst lassen Spaziergänger stehen bleiben. Am Montag wäre Kirsten S. 40 Jahre alt geworden. Der brutale Mord an ihr in diesem Sommer erschütterte viele Berliner. Seit Sonntag erinnert jetzt ein großer Gedenkstein am Tatort an sie. Aufgestellt hat ihn der Ehemann der Psychologin. „Mit dem Stein wird in unserem Wald ein stilles Gedenken ermöglicht“, sagte der Leiter des Forstamtes Tegel, Karl-Heinz Marx, der den Gedenkort persönlich genehmigt hat.

Wie und vor allem warum es zu der Tat kam, bleibt auch drei Monate nach dem Mord ungeklärt. Als sicher gilt nur, dass das Ehepaar am Morgen des 20. Juni zum Joggen in den Spandauer Forst aufbrach. Während sich ihr Mann noch aufwärmte, lief die 39-Jährige schon voraus. Was in den Minuten danach geschah, gibt den Ermittlern Rätsel auf. Sie gehen davon aus, dass ein junger Mann auf einem Fahrrad gegen 8.50 Uhr die Joggerin niederstach und dann flüchtete. Kirsten S. starb wenige Stunden später auf der Intensivstation eines nahe gelegenen Krankenhauses.

Anfangs war die Polizei optimistisch, den Täter schnell zu fassen. Einige Spaziergänger konnten sich an den Mann auf dem auffallend roten Fahrrad sehr genau erinnern. 15 bis 20 Jahre alt, etwa 1,75 Meter groß, schlank und mit weißer Hose und Jacke bekleidet. Ein Überwachungsvideo des Evangelischen Johannesstifts zeigt zudem den mutmaßlichen Mörder auf seinem Fahrrad. Durch die Veröffentlichung der Aufnahmen hoffte die Polizei auf neue Erkenntnisse. Bis heute gingen rund 600 Hinweise bei der Mordkommission ein, mehr als 500 Personen wurden überprüft - alles ohne Erfolg. Der Täter bleibt wie ein Phantom.

Doch die Polizei legt den Fall nicht zu den Akten. Mordermittlungen werden grundsätzlich nicht eingestellt. „Wir hoffen, dass durch die Medienberichte zu dem Gedenkstein jetzt wieder Hinweise kommen und dann vielleicht der entscheidende dabei ist“, sagte ein Polizeisprecher. Unter der Telefonnummer 030/ 4664 911 701 können sich Zeugen melden. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen eine Belohnung von bis zu 5000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ausgesetzt.

Vor acht Jahren sorgte ein ähnlicher Fall für Aufsehen. Damals wurde ein Jogger im Volkspark Wilmersdorf mit 23 Messerstichen ermordet. Vom Täter fehlt immer noch jede Spur. (JRA)

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