Berlin : Spandauer Theater: Verein will Puppenbühne auf der Zitadelle Konkurrenz machen

Rainer W. During

Der Streit um die künftige Nutzung des Theaters "Neue Bühne" auf der Zitadelle eskaliert. Der Vorsitzende des Altstadt-Theaters, Thorsten Hanf, geht jetzt auf direkte Konfrontation mit dem Puppentheater von Regina Wagner. In seinem dem Kunstamt vorgelegten Konzept sind ebenfalls Puppenspiele enthalten. Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) hat noch keine Entscheidung gefällt. Gestern Nachmittag diskutierte der Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung über das Thema.

Wie berichtet, hatte das Altstadt-Theater in der Vergangenheit die Sommerfestspiele auf der Freilichtbühne organisiert und nebenbei auch das kleine Theater mit seinen 75 Plätzen betrieben. Da es sich um Koproduktionen mit dem Kunstamt handelte, musste für die Spielstätte keine Miete gezahlt werden. Die "Neue Bühne" ist nun verwaist, weil der Verein wegen fehlender Förderzusagen von der Ausrichtung der Festspiele zurücktrat und der künstlerische Leiter Matthias Diem dem Bezirk den Rücken kehrte.

Regina Wagners "Puppentheater auf der Zitadelle" residiert seit Jahren in provisorischen Räumen auf der Bastion Kronprinz. Längst ist man weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. 1999 gastierten die Spandauer in Japan, Einladungen nach Finnland, Spanien und Kanada liegen vor. Zwei neue Stücke sind in Vorbereitung. Festivals und themenbezogene Wochen stehen auf dem Programm, für 2002 ist "Othello" als Mischung von Schau- und Puppenspiel geplant. In der "Neuen Bühne" sieht man die ideale Spielstätte.

Thorsten Hanf, der Zitadellenführungen für Kinder und Kneipenführungen für Erwachsene veranstaltet, will in der "Neuen Bühne" Theater-Gastspiele für Alt und Jung organisieren. Er nennt dabei ausdrücklich auch verschiedene Formen des Puppentheaters. Später wolle das Altstadt-Theater auch wieder eigene Inszenierungen bieten. Regina Wagner sieht in diesen Plänen eine direkte Konkurrenz. Mit Matthias Diem habe die Absprache bestanden, dass vom Altstadt-Theater keine Kinderprogramme auf der Zitadelle inszeniert werden. Für sie ist das "eine Sache der Ehre".

Strittig ist der Punkt, in welchem Umfang das Altstadt-Theater den Ausbau der "Neuen Bühne" mitfinanziert hat. Hanf macht eine Summe von 150 000 Mark geltend. Für Vize-Kunstamtsleiter Ulrich Funk stellt sich da die Frage, wieso der Verein bei solchen Eigenmitteln Fördergelder benötigte.

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