Berlin : Spandauer Vorstadt: Am ersten Tag noch keine Knöllchen

Judith Kessler

Die Gäste fluchen, die Anwohner atmen auf. Seit gestern kostet das Parken in der Spandauer Vorstadt Geld: 50 Cent für eine halbe Stunde, und das von neun bis 24 Uhr. Vor allem die Anwohner des Viertels sollen durch die Neuregelung entlastet werden. Da jedoch von einigen der neuen Schilder die Klebestreifen nicht entfernt und andere Schilder laut Polizei noch nicht einmal aufgestellt waren, drückten die Beamten gestern noch beide Augen zu: "Verstöße gegen die neue Parkraumbewirtschaftung werden erst ab Dienstag geahndet," teilte Polizeisprecher Norbert Gunkel gestern mit. Ein Versäumnis, das sich Siegfried Dittrich vom Straßen- und Grünflächenamt Mitte nicht erklären kann: "Unsere Bewirtschaftungsfirma hatte uns fest zugesagt, alle Klebestreifen pünktlich zu entfernen." Trotz dieser Startschwierigkeiten glaubt Dittrich an den Erfolg: "Es spricht nichts dagegen, dass wir unser Ziel, die Anwohner zu entlasten, erreichen."

Da es in dem Quartier nördlich des Hackeschen Marktes besonders viele Cafés und Bars gibt, konkurrierten Partygänger und Anwohner täglich um die Parkplätze. "Kaum ist man mal Einkaufen gefahren, war auch schon der Parkplatz weg," berichtet Manfred Hahnsch, Bewohner der Gipsstraße. "Dann musste ich immer fünf Runden drehen, bis ich wieder einen Platz gefunden hatte." Für Hahnsch und seine Nachbarn ist nun ein Drittel der Parkfläche gesichert. Für rund 30 Euro im Jahr kann jeder Anwohner des Viertels bei der Polizei eine grüne Vignette beantragen, mit der er kostenlos parken kann. Ohne Vignette in der Windschutzscheibe sind die stadtüblichen Parkgebühren fällig - zum Ärger mancher Autofahrer. "Ich habe früher hier an der Rosenthaler Straße gearbeitet, da war alles wesentlich entspannter", erzählt eine junge Frau. Sie steht vor einem Parkscheinautomaten - und scheitert an der Technik: "Immer fällt mein Kleingeld durch." Von der neuen Parkraumbewirtschaftung ist sie nicht begeistert: "Warum bauen die nicht für alle Anwohner kostenlose Tiefgaragen?"

Der Student Jan Ohlsen, der einige Meter weiter sein Rad abstellt, kann mit der Regelung leben: "Wenn ich mit dem Auto komme, parke ich immer ein paar Straßen weiter. Da ist es kostenlos."

Auch Wolfgang Löffler, der einen Obst- Und Gemüseladen in der Rosenthaler Straße betreibt, zeigt sich unbeeindruckt: "Vor meinem Laden war früher sowieso Halteverbot. Wenn ich jetzt mit dem Auto zur Arbeit fahre, muss ich mir eben was ausdenken," meint Löffler. Gestern ist er allerdings vorsorglich mit der Bahn zu seinem Laden gefahren.

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