Berlin : Sparen am falschen Ende

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Obwohl die Berliner Feuerwehr in einer internen Studie zu den Freiwilligen Feuerwehren zu dem Ergebnis kommt, dass ein Einsatz eines Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeuges, des Standardfahrzeugs der Berliner Feuerwehr, bei der Berufsfeuerwehr mit ca. 1400 Euro und bei der Freiwilligen Feuerwehr mit nur ca. 900 Euro zu Buche schlägt, kommen die Autoren der Studie zu dem Vorschlag, die Zahl der Freiwilligen Feuerwehren drastisch zu verkleinern.

Berlin hat neben den in Ihrem Artikel erwähnten 37 Berufsfeuerwachen 62 Freiwillige Feuerwehren mit etwa 1500 Angehörigen. 15 Prozent der Einsätze der Berliner Feuerwehr werden von ihnen abgewickelt. Innerhalb von 30 Minuten können die Einsatzkräfte der Feuerwehr mehr als verdoppelt werden. Da die Freiwilligen mit allen Einsatzsituationen konfrontiert werden können, müssen sie umfassend ausgebildet werden. Da die Berufsfeuerwehr dies schon seit mehreren Jahren wegen Personalmangels nicht mehr schafft, wurden einige Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr fortgebildet.

Die Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass vier Freiwillige Feuerwehren mit eigenem Ausrückebereich in Feuerwehren auf Berufsfeuerwehr-Wachen umgewandelt werden sollen. Ihre Zahl soll auf 12 reduziert werden. Der Großteil der Standard-Fahrzeuge soll eingezogen und durch Fahrzeuge ersetzt werden, die vom Bund im Rahmen des Katastrophenschutzes der Berliner Feuerwehr übergeben wurden und auch von ihm finanziert und unterhalten werden. Sie sind für das tägliche Einsatzgeschehen aber nur unzureichend ausgerüstet.

Erfahrungen mit der Zusammenlegung von Freiwilligen Feuerwehren zeigen, dass die Personalstärke hier nicht zu halten ist und mit einem Austritt von bis zu 40 Prozent der Mitglieder zu rechnen ist. Da die Berliner Feuerwehr durch Auflagen 2000 Katastrophenhelfer vorzuhalten hat, müssen diese dann zusätzlich von der Berufsfeuerwehr bereitgestellt werden.

Dass gespart werden muss, wissen auch die Freiwilligen Feuerwehren. Es ist nur zu befürchten, dass wieder einmal als erstes gespart wird, wo die Lobby am kleinsten ist und keine mächtigen Gewerkschaften angegangen werden müssen. Die Freiwilligen Feuerwehren stellen ein Sicherheitspotenzial dar, das mit verhältnismäßig geringen Kosten vorgehalten werden kann.

Thorsten Weiß, Landesverband der

Freiwilligen Feuerwehren Berlins

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