Berlin : Sparen ohne Ende: Muss sich Berlin an Mängel gewöhnen?

Ingo Bach

Es ist an allen Ecken und Enden zu spüren: Berlin muss sparen. Gerade den Bezirken fehlt das Geld, um Grünanlagen zu pflegen, Springbrunnen zu betreiben oder Schlaglöcher zu reparieren. Und es wird noch enger. In manchen Vierteln droht durch mangelnde Pflege schon eine Verslummung. Experten nennen als Beispiele den Moabiter Beusselkiez, die Weddinger Koloniestraße oder die Umgebung des Gesundbrunnencenters. Selbst mit großem Aufwand sanierte Objekte können nicht mehr gepflegt werden. So ist ein Teil des Engelbeckens in Mitte inzwischen mit Graffiti übersät.

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Wie weit geht die Bereitschaft der Berliner, Einschränkungen der Lebensqualität hinzunehmen? Die Zahl der Beschwerden sei in den letzten Jahren exorbitant gestiegen, sagt die Baustadträtin von Mitte, Dorothee Dubrau. Da beklagen sich Anwohner, dass Grünflächen und Spielplätze verrotten. Oder viele Springbrunnen versiegt sind, weil kein Geld mehr für Wasser und Strom da ist. Und es bleibt nicht bei Beschwerden. Weil Straßen und Gehwege nur noch repariert werden, wenn es absolut notwendig ist, häufen sich die Klagen von Autofahrern und Fußgängern auf Schadenersatz. Allein im Bezirksamt Mitte gingen im vergangenen Jahr 40 Anträge auf Schadensersatz ein, zehn davon landeten vor Gericht, wo noch darüber gestritten wird.

Der Fusionsbezirk Mitte hat in diesem Jahr ganze 1,9 Millionen Euro für die Pflege aller Grünflächen zur Verfügung, so viel, wie der alte Bezirk Mitte vor der Bezirksfusion. Nun muss das Geld auch noch für Tiergarten und Wedding reichen, de facto also eine Drittelung. Das reicht bei weitem nicht. "Eigentlich bräuchte ich diese Summe nur für den Großen Tiergarten", sagt Dubrau. Und die ABM-Kräfte, die noch vor Jahresfrist den Gärtnern zur Seite standen und die Parks reinigten, gibt es nicht mehr. Jetzt müssen die Gärtner selbst ran - und schaffen nicht mehr das, wozu sie eigentlich qualifiziert sind: Pflanzenpflege und Gartenanlage.

Unter haushälterischen Gesichtspunkten sind die Ausstattung von Schulen und Kitas oder die Reparatur von Straßen und Gehwegen wichtiger, als sprudelnde Springbrunnen. Doch auf der anderen Seite sind es die Brunnen, die das Flair einer Metropole prägen. Vor allem ältere Berliner können nicht verstehen, wieso derart viele Anlagen versiegt sind. "In jeder europäischen Stadt sprudeln im Sommer kleine und große Brunnen, das ist doch ein Stück Lebensqualität", sagt eine ältere Dame aus Friedrichshain. Dubrau hatte als Baustadträtin in Prenzlauer Berg schon vor Jahren damit experimentiert, mit Sponsorenhilfe Brunnen zum Sprudeln zu bringen.

Saubere Grünanlagen, sprudelnde Springbrunnen und befahrbare Straßen - es sind doch gerade diese im Vergleich zu den großen Neubauprojekten kostengünstigen kleinen Dinge, die das Wohlfühlen in einer Stadt ausmachen. "Da lässt sich nur wenig sparen, aber der Effekt ist gewaltig", sagt Dubrau.

Doch die Bezirksämter setzen nicht nur auf Geld, sondern auf den Verantwortungssinn der Berliner. Gerade im Osten sei die Bereitschaft, die Patenschaft zur Pflege eines Straßenbaums oder eines Spielplatzes zu übernehmen, besonders ausgeprägt, sagen Bezirkspolitiker. In manchen Westvierteln werde dagegen immer noch oft nach den Behörden gerufen. Auch die Stadtreinigung macht sich Sorgen um das Bild Berlins. Dabei gehe es gar nicht um die jährlich rund 50 000 Kubikmeter Sperrmüll, die illegal am Straßenrand entsorgt werden, sondern um die kleinen Dinge wie Zigarettenschachteln oder Colabüchsen. "Die sind zwar mengenmäßig kaum zu erfassen, vermitteln aber sofort einen verdreckten Eindruck", sagt Sabine Thümler, Sprecherin der BSR.

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