Berlin : Sparkasse spart sich die Kasse

Auch bei der Berliner Bank gibt es in den meisten Filialen am Schalter kein Geld mehr / Große Privatbanken bieten Service trotz Automaten weiter

Klaus Kurpjuweit

Kunden der Berliner Bank und der Sparkasse erhalten ihr Geld jetzt mit der Post – zumindest wenn sie ausländische Sorten haben wollen. Wer Euro will, kann in den meisten Fällen auch nicht mehr an die Kasse gehen. Die meisten sind inzwischen geschlossen. Für Geldgeschäfte gibt es bald nur noch Automaten. In vielen Filialen das gleiche Bild: Verärgerte Kunden beschimpfen die Mitarbeiter. Doch die Bankgesellschaft, zu der die Berliner Bank und die Sparkasse gehören, bleibt dabei. Es habe weniger Beschwerden gegeben als erwartet.

Bei der Berliner Bank sind bereits alle 58 noch vorhandenen Filialen auf Kassenautomaten umgestellt. Nur an sieben Standorten sowie auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld sitzt auch noch ein Kassierer in seiner Box. Bei der Sparkasse sind in 113 Zweigstellen die Kassen dichtgemacht worden; 44 werden noch folgen. Damit haben dann nur noch 26 von 157 Filialen weiter eine Kassenbox. Aber auch dort steht bereits der Automat.

Die Sparkasse wirbt damit, dass durch die Automaten Wartezeiten an den Kassen entfielen. Die bisherige Praxis zeigt aber, dass es durchaus auch Schlangen vor den Automaten gibt. Viele Kunden müssen noch eingewiesen werden. Statt des Kassierers in der Box, der wegrationalisiert worden ist, muss nun ein Mitarbeiter diese Aufgabe an den Automaten übernehmen.

Wer ausländisches Geld benötigt, muss entweder lange Wege zum nächsten Standort mit Kasse zurücklegen – oder sich die Scheine nach Hause schicken lassen. Sie kommen dann per Wertbrief, der quittiert werden muss. Dem Kunden entstehen dadurch keine Kosten, betont Banksprecherin Katja Damm. Das Risiko trage die Bank. Wer allerdings nicht zu Hause ist, wenn der Postmann klingelt, muss sich das Geld dann auf der Post abholen.

Das klassische Sparbuch funktioniert am Geldautomaten ohnehin nicht. Kunden müssen sich dann an die Mitarbeiter wenden, die mit ihnen die Ein- und Auszahlungen gemeinsam vornehmen. Oder man muss das Sparbuch auf eine Art Girokonto umstellen. Dann gibt es nach jeder Buchung einen Beleg vom Kontoauszugsdrucker, der als Sparbuchersatz gilt. Dieser Beleg wird automatisch mit erstellt, wenn ein Kunde sich seine Auszüge für das Girokonto drucken lässt.

Wenn ein Dieb oder Betrüger es schafft, die EC-Karte und die Geheimzahl zu ergaunern, erhält er so auch gleich noch den aktuellen Stand des Sparbuchs, das dann ebenfalls noch geplündert werden kann. Dagegen erhöht sich für die Bank die Sicherheit. Wo es keine Kasse mehr gibt, kann auch kein Überfall mehr stattfinden, argumentiert die Sparkasse. Im vergangenen Jahr entfielen etwa zwei Drittel aller Überfälle auf ihre Filialen.

Die meisten Kunden kämen mit der neuen Technik gut zurecht, sagte Banksprecherin Katja Damm weiter. Kündigungen von Konten habe es kaum gegeben. Vor allem ältere Kunden mit Berührungsängsten gegenüber der neuen Technik würden von Mitarbeitern „behutsam“ mit den Automaten vertraut gemacht. Selbst in den noch vorhandenen Zweigstellen mit einer Kassenbox seien deren Umsätze stark gesunken, weil die parallel aufgestellten Automaten vor allem auch bei Einzahlungen genutzt würden.

Die Konkurrenten halten von der kassenlosen Bank trotzdem nicht viel. Weder die Commerzbank noch die Deutsche oder die Dresdner Bank wollen zumindest derzeit auf die Kasse verzichten. Und die Berliner Volksbank ist ohnehin einen anderen Weg gegangen. Auch sie wollte Wartezeiten vor den großen Kassen verkürzen. Sie schaffte deshalb zwar die Zentralkassen ab, richtete dafür aber „Servicearbeitsplätze“ mit integrierter Kasse ein. Dort gibt es auch ausländisches Geld – ohne Postversand.

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