Berlin : Sparkassen-Filialleiter gewähren Rabatte nach Ermessen

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Ob man bei der Berliner Sparkasse ein gebührenfreies Girokonto oder Zinsen fürs Guthaben bekommt, liegt offenbar im Ermessen der jeweiligen Filialleitung. Dies belegen Erfahrungen von Tagesspiegel-Lesern, die nach Berichten über Billigkonten für Bundestagsabgeordnete, Zuzügler und "gute" Stammkunden Sonderkonditionen auch für sich beantragt hatten.

"Der monatliche Kontoführungspreis wird von 10,00 DM auf 0,00 geändert", schrieb zum Beispiel die Sparkassen-Zweigstelle in der Steglitzer Bismarckstraße ihrem "Altkunden" Ulrich S., die Sonderkondition gelte vom 1. November an für zunächst ein Jahr. Die gewünschte Verzinsung mit 1,5 Prozent, die Mitgliedern des Bundestags und anderen Zuzüglern zusätzlich gewährt wird, bekam S. jedoch nicht. Die Filiale Steglitzer Damm im gleichen Bezirk lehnte indes Rabatte für den Kunden W. generell ab, obwohl er ähnlich wie S. auf hohe Monatsbezüge und weitere Geldanlagen bei der Sparkasse verwiesen hatte: "Als ehemaliger hoher Beamter bekomme ich 5000 Mark Pension im Monat und habe zudem Sparkonten und Wertpapierdepots bei der Sparkasse, wo ich 25 Jahre Kunde bin", sagt W. Er sei über die "Abfuhr" sehr verärgert.

Die meisten Antragsteller auf Billigkonten bekamen ein Standardschreiben, in dem behauptet wird, Sonderkonditionen gebe es "ausschließlich" für Neukunden. Dass dies nicht stimmt, kann auch das Lehrerehepaar H. aus Wannsee bestätigen. Ihnen wurde von der Filiale 105 in der Königstraße sogar unbefristet ein gebührenfreies und mit 1,5 Prozent verzinstes Girokonto eingeräumt. Die H.s hatten an den Vorstand der Landesbank Berlin geschrieben und ultimativ gedroht, ihr Konto aufzulösen. Banksprecher Volker Winde bestätigte auf Nachfrage, dass es keine exakten Kriterien für die rund 170 Berliner Zweigstellen gebe, wann "ausnahmsweise" Extrapreise zugestanden werden. Winde nannte "besonders gute Geschäftsbeziehungen" als Bedingung, grundsätzlich gebe es aber keinen Anspruch auf ein Billigkonto.

Den Ärger über "Privilegienwirtschaft für Politiker und Reiche" habe man mit "Betroffenheit zur Kenntnis genommen", die Sparkasse müsse sich im Wettbewerb aber genauso verhalten, wie andere Geldhäuser auch. Von "normalen Kunden" verlangt die Berliner Sparkasse je nach Kontoart jährlich mindestens 90 bis 180 Mark Gebühren fürs Girokonto, Zinsen gibt es nicht. Insgesamt führt der Marktführer unter den Geldhäusern rund eine Million Girokonten.

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